Montagsdemo für Frieden in München (14. April 2014)

Ich habe mir heute in München auf dem Karlsplatz (Stachus) eine der neuen Montagsdemonstrationen (Mahnwache) für Frieden angeschaut. Bekanntermaßen sind die ja derzeit sehr umstritten, also wollte ich das in Bayern mal mit eigenen Augen ansehen. Ich habe mich dabei die ganze Zeit offensiv als Pressevertreter mit Presseausweis gezeigt.

Beginn war 18 Uhr, da geschah allerdings noch nichts. Es hatten sich ca. 40 Personen versammelt, einige Demonstranten sind bis zu 120km weit aus dem Allgäu angereist. Ein Transparent wurde hochgehalten mit der Aufschrift „Für Liebe! Für Freiheit! Für Einheit! Weltweit!“

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Um 18:30 erfolgte dann eine offizielle Begrüßung durch einen der Organisatoren. Anschließen drei, vier ganz kurze Meinungsäußerungen von anderen Teilnehmern, und das war es eigentlich schon wieder. Es wurde gesagt: „Von deutschen Boden darf nie wieder Krieg ausgehen.“ und man solle doch die Veranstaltung nicht stören. Es gibt bei dieser Demonstration kein politisches Links und Rechts.

Die Organisatoren trugen T-Shirts, auf denen vorne „Wir sind gegen das Selbe !!!“ stand und auf der Rückseite: „Endlich wieder Montag… Montagsdemo Team München“ (sic!).

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Ein Redner forderte dazu auf, mehr Leute mitzubringen. Jeder solle nächste Woche einen weiteren mitbringen und so wächst das schon. Außerdem wurde kritisiert, dass die Medien nicht über die Veranstaltung berichten.

Das war es dann an Wortmeldungen, mehr passierte die nächsten anderthalb Stunden nicht mehr, außer dass alle rumstanden und aus einem Lautsprecher Musik lief. Die Teilnehmerzahl überstieg nie mehr als 100 Personen.

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Ich sprach dann die Organisatoren direkt an, wie sie denn zu der Aussage von Lars Märholz in Berlin stehen, dass alle Kriege der letzten 100 Jahre von der FED in den USA verursacht sind und wo sie selber die Ursachen für die Kriege sehen. Die Antworten waren sehr allgemein gehalten. Einer erklärte mir, es ist doch egal, von wem die Kriege ausgehen, ihm ist die Wirkung wichtig, dass die Leute gegen den Krieg und für den Frieden auf die Straße gehen. Ein andere meinte, zur der Vergangenheit und den Ursachen der Kriege angesprochen, wichtig ist, was heute ist. Es fielen auch Begriffe wie „Kapitalismus“ und „Geldsystem“ und das wir nicht Schuld am 2. Weltkrieg sind. Natürlich sagte ich, das sind wir nach 1945 Geborenen nicht (Ich gehe mal davon aus, dass er das meinte.), aber wir haben die Pflicht, dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder passiert. Er stimme mir da auch zu. Ich erklärte ihm auch, dass es wichtig ist, in die Geschichte zu schauen, wer da für die Kriege verantwortlich war, um daraus die Konsequenzen für heute zu ziehen, aber so richtig konnte der junge Mann dazu auch nichts sagen, außer zu wiederholen, wichtig ist, was heute ist.

Die Organisatoren hatten auch ein Gästebuch ausgelegt für Kommentare und Vorschläge, da fanden sich dann Aussagen wie: Schön, dass es wieder Montagsdemonstration gibt, war 89 in Magdeburg dabei / Russische und deutsche Fahnen sollte man das nächste Mal mitbringen / Reden aus Berlin sollten übertragen werden / Wichtig ist Aufklärung.

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19:45 brach ich den Besuch schließlich ab und fuhr wieder heim.

Fazit: Man kann ihnen nicht vorwerfen, Verschwörungstheorien zu publizieren, wie das anderorts geschah. Das war soweit ok. Allerdings weiß ich auch nicht, aus welchen Kreisen die Veranstalter stammen, sie haben sich nur mit Vornamen vorgestellt.

Aber es wurde auch nichts konkret benannt. Weder die Ursachen der Kriege noch was man wirklich aktiv dagegen tun kann. Ich denke, hier sollten wir als Linke ansetzen und versuchen echte Aufklärungsarbeit zu leisten, zum Beispiel in Form von Flugblättern, die müssen ja nicht von einer bestimmten Organisation stammen. Auch halte ich das „Es gibt kein Links und kein Rechts“ für einen großen Fehler, da müssen sich die Teilnehmer der Demonstration klar positionieren. Wie Rosa Luxemburg sagte: „Unpolitisch sein heißt politisch sein, ohne es zu merken.“ Von Rumstehen für Frieden alleine wird sich nichts ändern.

Die Webseite der Organisatoren (Nur bei Facebook!):
https://www.facebook.com/Friedensbewegung.Muenchen

Ein weiterer Flyer wurde verteilt von www.wirkarte.de. Dort finden sich dann der Text:

Wir wenden uns an Querdenker, Pioniere und Freigeister, die gemeinsam versuchen wollen, unsere Umwelt neu und heilsam zu gestalten.
Wir bieten eine gesunde Mischung von Esoterik und Exoterik, von Wissenschaft und Grenzwissenschaft, von Visionen und real umsetzbaren Projekten, um uns allen zu helfen, ein neues ganzheitliches Weltbild zu entwickeln.

Die restlichen Albernheiten (Orgon-Energie) und Grenzwertigkeiten (Ich versuche mal höflich zu bleiben) auf der Seite könnt ihr Euch gerne selber anschauen. Oder lieber nicht…

Josef A. Preiselbauer

5 comments

  1. Harmlos für die Mächtigen, die gern mal wieder gegen Osten marschieren würden. Gefährlich für den Frieden, weil halt so harmlos.
    Ideologie: Esoterische Spinnereien zum größten Teil und braune Scheinlinke. Solltest beim nächsten mal ein Transpi mitnehmen mit der Aufschrift: „Grüne Männchen vom Mars befreit uns und bringt uns den ewigen Frieden.“

  2. Sehr geehrter Herr Preiselbauer:
    das Wichtigste haben sie leider verschwiegen aus meiner Aussage in Bezug ihrer Frage (und aussage das FED an allem schuld sei) wie ich/wir denn über Krieg denken: ich habe ihnen gesagt das schuldzuweisungen keinen mehr weiterbringen und es einfach endlich aufhören sollte da uns ein miteinander weiterbringt als ein du da und ich hier dann is alles gut!
    es waren sehrwohl mehr als nur 100 Leute anwesend die für ein besseres miteinander die Gemeinschaft suchten und auch gefunden haben, die Redner die ihr Statement abgegeben haben waren gewollt im kleinen Rahmen gehalten da es ein zusammenkommen sich finden und mit anderen austauschen verinnerlichen soll!
    die ganzen Versuche diese deutschlandweite Bewegung ins rechte Licht zurücken sind sehr realitätsfern und danke das es euch gibt die ihr die negativbewertung weiterhin publiziert und macht es uns leichter darüber zu stehen 🙂
    vielen dank auch das sie die Fakten so verdrehen um selber gut da zu stehen 🙂 bringt nur nix wenn man alleine irgendwo an nem Eck steht!!!

    MfG und auch bald

  3. Ich denke, dass ich ihre Aussagen mit „Einer erklärte mir, es ist doch egal, von wem die Kriege ausgehen, ihm ist die Wirkung wichtig, dass die Leute gegen den Krieg und für den Frieden auf die Straße gehen.“ durchaus rüber gebracht habe. Sie haben es etwas anders formuliert, inhaltlich ist es das Selbe.

    Auch habe ich die die Veranstaltung in München nicht in ein Rechtes Licht gerückt, sie allerdings an den bisherigen Veranstaltungen (Berlin) gemessen.

    Jedoch, wie ich schrieb, halte ich eine Entpolitisierung (Kein Rechts, kein Links) für einen Fehler. Zum Einen kann ein wirklicher Kampf für Frieden für alle Menschen nur von politischer linker Seite ausgehen, als gemeinsam mit allen fortschrittlich denkenden Menschen, zum Anderen lockt diese Entpolitisierung gerade die Rechten an, die damit Themen besetzen können, die sie mit ihrer Ideologie gar nicht vertreten könnten.

  4. Ja, ja immer schön scheinneutral bleiben und bloß keine Position beziehen. Wir sind doch alle sooooooo liebe zueinander und halten uns die Händchen und erwärmen uns an unserem freundlichen Lachen. Ja macht mal … Scheiße nur, dass da andere nicht mitspielen und sich bestenfalls über diese Spinnereien eins lachen. Das hilft der ohnehin schon opportunistischen Friedensbewegung nicht einen Schritt weiter. Immer schön nett sein … vor allen zu denen, die die Ursachen für den ganzen ukrainischen Bockmist schaffen und es gar nicht erwarten können, dass es mal wieder richtig blautzt.
    Nein, nur nicht mit dem Finger auf die Schuldigen zeigen. Sind ja alle schuld – deswegen sind wir auch alle gaaaanz lieb zueinander.
    Roß und Reiter nennen ist das Mindeste was man von ernst gemeinten und Wirkung zeigenden Protesten erwarten muss. Alles andere führt zu nix und da kann der friedensliebende Mensch auch gleich zu Hause bei Mutti bleiben und gaaaanz lieb die Beine unter den Tisch tun.

  5. In einer Gesellschaft, die aus verschiedenen antagonistischen Klassen besteht, kann eine Partei eh nicht neutral sein. Entweder sie vertritt die Interessen der einen oder der anderen Klasse; etwas anderes geht nicht.

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