Montagsdemo in München, 5. Mai 2014

Ich besuchte gestern wieder die Montagsdemo in München.

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In der letzten Woche tauchte unter anderen der NPD-Kader Karl Richter auf. Er sprach nicht dort, er war für die meisten vermutlich nicht mal erkennbar, er stand nur am Rande rum, war aber sichtbar. Das brachte danach die Organisation der Montagsdemo zu einem deutlichen Statement auf Facebook. Ich zitiere:

„Wir hatten letzte Woche leider das zweifelhafte Vergnügen, Besuch von einem Herrn zu haben, welcher Mitglied in einer Partei ist, deren Namen wir hier nicht sagen möchten, da wir sonst für diese auch unfreiwillig werben würden. (…) Bisher sahen wir glücklicher Weise noch keinen Grund uns der Art genau mit dieser Materie zu befassen, jedoch lehrte uns der letzte Montag, dass wir diese Thematik nun doch aufgreifen müssen. Wir distanzieren uns hiermit öffentlich von jeglichen Ideologien und Ansichten von Personen oder Parteien, die sich aufgrund ihrer menschenverachtenden Einstellung offensichtlich nicht mit unserem Wunsch nach Frieden vereinbaren lassen. (…)“

Bereits im Eröffnungsbeitrag wurde bei der gestrigen Montagsdemo noch mal darauf hingewiesen, dass man sich entschieden von Rechtsextremen distanziert und mit diesen Menschen auch nicht für Frieden zusammenstehen will. Man räumte diesem Thema auch seinen eigenen Raum im Rahmen der Veranstaltung ein. Es wurde gesagt, wir sind Bürger der Mitte und gewisse Parteitätigkeiten lassen sich nicht mit Frieden vereinbaren.

Leider war auch diesmal wieder eine Gruppe mehrere Nazis anwesend, die wieder die ganze Zeit nur am Rand da standen. Ich muss dazu aber auch sagen, dass ich aus eigener Erfahrung als Mitorganisator der Montagsdemos gegen Hartz IV 2004 in Dresden weiß, wie verdammt schwer das Problem mit Nazis zu lösen ist. Wir haben es damals nie ganz geschafft, die von uns wegzuhaben. Und ich wäre sehr empört gewesen, hätte jemand unseren Montagsdemos eine rechte Gesinnung vorgeworfen, nur weil sich da eine Gruppe bekannter Nazis sich in der Peripherie rumtreibt.

Was ich also sagen will, obwohl diese Typen da auftauchten, die Montagsdemo in München selber hat mit diesen Nazis nichts zu tun und den Veranstaltern kann man auch keinerlei Sympathien für diese vorwerfen, im Gegenteil, sie wehren sich dagegen.

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Allerdings, und das muss ich hier auch thematisieren, distanzierte man sich zu Anfang auch von Links, bzw. Linksextremismus. Da kam doch wieder durch, diese versuchte unpolitische Haltung, wir sind nicht links und rechts.

Bei der Veranstaltung, um jetzt mal zum Thema zu kommen, waren nach meiner Schätzung 300-500 Menschen da. Viele hatten Transparente oder Schilder dabei. Einige der Plakate zitierten auch zum Beispiel Rosa Luxemburg oder Bertolt Brecht, das soweit zu „wir sind nicht links“. Ganz vereinzelt gab es auch, ich sag das mal so direkt: Spinner.

Die Demonstranten bekamen selber die Möglichkeit, am Mikrofon zu sprechen. Ein junger Mann, der schon öfters sprach, redete viel von Liebe und Frieden. Das war eher esoterisch angehaucht, da schaltete ich dann lieber ab.

Um 19 Uhr wurde eine Schweigeminute für die Opfer in Odessa (Ukraine) abgehalten. Zwei junge Frauen aus der Ukraine sprachen anschließend darüber, das waren bewegende Beiträge.

Die meisten weiteren Redebeiträge beschäftigten sich mit dem Thema Frieden, auch mit dem Thema Faschismus, speziell in der Ukraine, welcher natürlich abgelehnt wurde und mit der Kriegsgefahr. Es kam aber auch wieder bei einigen wenigen die Rede auf diverse Verschwörungstheorien wie das Deutschland ja so gar nicht existiert und es war die Rede von „Freier Energie“. Letztlich aber eher harmlos. Hier muss man wohl mal ein klares Wort über diesen Unsinn sprechen. Da ist noch viel Aufklärung nötig.

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Ich meldete mich auch zu Wort, da ich es wichtig fand, das Thema Links und Rechts klarer zu stellen. Ich stellte mich vor als „Ich bin Antifaschist und Kommunist und linksextrem“. Den Menschen erklärte ich, dass ich es sehr gut finde, dass man sich offen von Rechts distanziert. Und obwohl da hinten eine Gruppe Nazis steht, will ich niemanden in der Demonstration vorwerfen, rechte Ansichten zu vertreten. Ich bin aber auch der Überzeugung, dass es eine konsequente Friedenspolitik und Kapitalismuskritik mit linken und fortschrittlichen Positionen geben kann. Und wie Rosa Luxemburg sagte, wer unpolitisch ist, ist unbewusst politisch.

Leider war mein Redebeitrag dann aber auch der einzig, der Buhrufe bekam. Vielleicht hat man mich nicht richtig verstanden? Anderseits wurde mir aber im Nachhinein von einigen Teilnehmern bestätigt, dass diese Buhrufe bei ihnen auf Unverständnis stießen.

Ich konnte im Anschluss mit mehreren der Anwesenden noch lange diskutieren. Dabei stellte sich ein sehr unterschiedliches Meinungsbild heraus. Während ich von einigen Zustimmung bekam, waren andere doch der Meinung, dass man nicht in den Kategorien links und rechts denken solle. Öfters kam auch wieder die Meinung durch, dass Deutschland kein souveräner Staat ist und ziemlich lange sprachen wir darüber, was eigentlich Antisemitismus bedeutet. Sehr lachen musste ich dann, als mir jemand vorwarf: „Du hältst Dich für gebildet, weißt aber nicht, dass die FED eine Privatbank ist.“

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Als Fazit würde ich sagen, die Münchner Montagsdemo ist auf dem richtigen Weg ist. Weniger Verschwörungsunsinn, mehr politische Inhalte, eine deutliche Benennung der Ursachen für Krieg und Faschismus, das ist nötig. Als Linke haben wir hier die Möglichkeit, da entweder nur zuzuschauen oder mit eigenen Beiträgen zu versuchen, die Themen Krieg & Kapital deutlich in den Fokus zu setzen.

Die Organisatoren, das soll noch mal extra erwähnt werden, haben keine leichte Aufgabe, aber sie geben sich große Mühe, diese zu bewältigen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer das ist und ich wünsche ihnen, dass sich das noch besser entwickelt.

Josef A. Preiselbauer

7 comments

  1. Danke für deinen wirklich ausgewogenen Beitrag und das nette Gespräch vor Ort.
    Ich freue mich auf das nächste Mal, auch dass du dann selbst wieder sprichst 🙂
    Herzliche Grüße

  2. Ich kann mich noch gut an die Dresdner Montagsdemos erinnern. Erst standen die Nazis nur mit ihrem dummen Transpi herum. Als sie sich eines Tages einreihen wollten, bildeten Demoteilnehmer eine Kette (hackten sich unter) und wollten das verhindern. In Folge kam es zu Rangeleien und auch leichten Verletzungen von Demoteilnehmern.
    Die anwesende Polizei ging dazwischen mit der Begründung, dass sie die Pflicht hätte, die Teilnahme aller zu sichern. Natürlich wurde fleißig die Videokamera betätigt. Das diese Auseinandersetzungen nicht leise vor sich gingen ist logisch. Die Folge nur war, dass gerade ältere Demoteilnehmer nicht mehr kamen. So nach und nach schlief die Montagsdemo ein.
    In Verantwortung wurden die jeweiligen Demoanmelder genommen.
    Natürlich haben die Medien da mitgewirkt und sicher waren die viele Teilnehmer keine zukünftigen HartzIV-Empfänger – aber letztendlich haben die Nazis einen erheblichen Anteil am Scheitern der damaligen Montagsdemos. Die Gefahr oder zumindest die Absicht ist auch jetzt nicht von der Hand zu weisen. Vielleicht solltest Du auf diese Dresdner Erfahrungen in Deiner nächsten Rede hinweisen.

    Ansonsten große Klasse wie Du Dich da engagierst. Mach weiter so – wir sind stolz auf Dich!

  3. Finde die Einschätzung soweit gut, man sollte dennoch Kritik üben, das Du da nicht reden dürftest man holte sogar die Polizei zur hilfe. Das es dort aber zu Proteste kam dich doch reden zu lassen,zeigt das man sich durchsetzen kann, dass die. VERANSTALTER nicht so dominant sind. Gruss
    Mike

    • Das ich erst nicht reden durfte, lag eigentlich nur an einem Missverständnis. Wir haben das aus der Welt geschafft.

  4. nun mal abgesehen davon das es natürlich gut ist das er geredet hat finde ich die Rede inhaltlich denkbar schlecht. Sich selbst als Linksextrem (der Begriff wurde so vom Verfassungschutz installiert!!!!) zu bezeichnen und damit erst mal Angriffsfläche zu bieten ist schon nicht so toll aber wenn ich vor 500 politisch nicht gefestigten Leuten überzeugen will das Nazis hier nichts zu suchen haben und wirklicher Antikapitalismus und konsequente Friedensbewegung nur mit links geht ohne auch nur ein überzeugendes Argument zu bringen ist schon echt blöd. Wer sind denn die Faschisten, welche Rolle spielen sie in der kapitalistischen Gesellschaft, wer finanziert sie, die NPD hat sich offen mit den ukrainischen Faschisten solidarisiert. Warum geht den Friedensbewegung nur Links, was sind denn eigentlich Kommunisten und welche Rolle spielen den Linke in der kapitalistischen Gesellschaft, das hätte in die Rede gehört!

  5. hallo Josef A. Preiselbauer, ich finde es schon mal schön, dass es in München auch Friedensdemos gibt, das lässt hoffen, dass bald in ganz Deutschland und über die Grenzen hinaus die Menschen ihr Recht auf Frieden wahrnehmen und Politiker abwählen, welche lediglich Profitinteressen von Firmen vertreten.
    WAs mir ganz und gar nicht gefällt, ist dieses Kategorisieren in “ links“ und „rechts“ – statt die Energie in die richtige Richtung zu lenken- nämlich auf DAS; WAS ANZUSTREBEN IST- NÄMLICH FRIEDEN UND FREIHEIT des VOLKES bzw. der Völker- wird wieder polarisiert und ich denke mir, ….Ihr seid doch nur die andere Seite der Medaille , warum kapiert Ihr dies denn nicht? Die eine Seite wurde geschaffen ( oder was glaubt Ihr , warum es eine NPD gibt und nicht etwa ein NPD- Verbot? ) ,damit Ihr “ etwas zu tun habt“ ( mal salopp gesagt). Wann versteht ihr endlich, dass man Euch gegeneinander aufhetzt und ausspielt ?! UND : Würdet Ihr euch tatsächlich damit auseinandersetzen, dann müsstet Ihr noch viele andere ERkenntnisse gewinnen- z.B.dass heute nämlich unter dem Deckmantel von Antisemitismus ungerechtfertigte Urteile gefällt werden, weil ein Mensch sich eventuell zu seinem Heimatland bekennt – denn nichts Anderes heißt ja erst einmal National -Sozialist. Und wenn Ihr als sogenannte “ Linke“ eine Menschengruppe auf einer Friedensdemo ausschließt – dann könnt Ihr doch nicht besser sein oder euch als “ besser “ bezeichnen als diese Gruppe…wo bleibt denn da eure ach so gepriesene Toleranz gegenüber Minderheiten zum Beispiel? Freiheit ist auch die Freiheit des Anderen. Und was ihr bekämpft- DAS verstärkt Ihr- dies ist ein physikalisches Gesetz. Wie wäre es denn mit Anhörung und Annäherung und gegenseitigem Verständnis -erst mal hinhören, WAS genau der “ Andere“ zu sagen hat und vielleicht möchte der “ Andere“ auf einer Friedensdemo einfach auch nur FÜR DEN FRIEDEN demonstrieren ? Ich würde mich freuen, wenn die AntiFa dies in Ihr Programm aufnehmen würde und aufhören würde, eine Minorität zu bekämpfen und diese gesparte riesige Energiemenge dann für Freiheits- und Friedensrechte Aller Bürger einsetzen würde.
    Mit freundlichen Grüßen
    B.Siegmund

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