Warum ich so bin, wie ich bin, beim Thema Israel / Palästina

Ich habe in den letzten Tagen u.a. eine Mail bekommen, das ich den Völkermord rechtfertigen würde und andere Genossen meinten, es bringt nichts, mit mir über das Thema Nahostkonflikt zu diskutieren. Um mal meinen Standpunkt dazu deutlich zu machen, habe ich folgenden Text geschrieben.

Es ist richtig, diese Diskussionen führen letztendlich zu nichts. Beide Seiten, ob Israel oder Palästina, haben so viel Dreck am Stecken, das sich immer etwas findet, was man der Gegenseite vorwerfen kann. Die palästinensischen „Befreiungsorganisationen“ mit ihrem Vernichtungswillen Israel gegenüber oder die zurzeit wirklich extremen rechten Standpunkte der israelischen Regierung und ihre Äußerungen, da nehmen sich beide nichts. Und keiner will der der Erste sein, der sich von moralischer Stärke zeigt und sagt: Wir hören jetzt mal mit dem Getöte auf. Und dann kommen noch die religiösen Fuzzis und jeder weiß besser, wer vorher schon mal dort gewohnt hat. Irgendwann wird mal ein Neandertaler kommen und Anspruch auf dieses Land erheben. (Oder Aliens, die vor 1 Million Jahre vielleicht schon mal da waren. Das wäre zumindest echt mal spannend.)

Es gab in den letzten 60 Jahren so viel Mord und Totschlag dort, die einen mehr, weil sie mehr militärische Macht hatten, die anderen heimtückischer, weil sie keinen Scheu hatten, das eigene Leben zu opfern. Wer will sich da noch hinstellen und den moralischen Zeigefinger heben?

Ich persönlich habe die Seiten nicht gewechselt, ich stand noch nie auf einer Seite. Siehe z.B. mein Beitrag im Roten Blog vom 31. Dezember 2008.

Und wie Heinz-Rudolf Kunze mal so schön sagte: Für manche Meinungen kriegt man von allen Seiten eins auf die Fresse, aber wenigstens nicht von vorne.

Das ich derzeit so Pro-Israel auftrete, mit Davidstern im Profilbild und vor allem gegen die palästinensische Seite argumentiere, liegt weniger daran, dass ich das unglaubliche Vorgehen Israels etwa toll finde. Das liegt eher daran, dass ich mir die Abläufe der letzten 65 Jahre mal genauer angeschaut habe, und mir aufgefallen ist, dass zumindest die meisten Aktionen Israels Reaktionen auf Angriffe waren. Diese Gewaltspirale hat sich aber inzwischen auf das schlimmste verselbstständigt. Inzwischen geht es nur noch darum, dass in Folge der Geschehnisse der letzten 65 Jahre das palästinensische Volk unterdrückt wird (Obwohl es immer noch der Wunsch der Radikalen ist, Israel zu vernichten.) und die Angriffe gegen Israel mit der Unterdrückung gerechtfertigt werden. Klar, wenn man in dritter, vierter Generation in Flüchtlingslagern lebt, dann interessiert einem nicht mehr, was vor 40, 50 Jahren war. Dann sieht man das Jetzt. Und das ist halt so, dass Israel inzwischen nicht mehr bereit ist, den Palästinensern mehr Luft zum Atmen zu geben, weil sie Angst vor dem Terrorismus haben. Israel ist dabei wie ein großes Kind, das, wenn es von den kleinen Kindern gepiekst wird, irgendwann ohne Gnade zuhaut.

Das ist meine Sicht der Dinge. Da müssen wir nicht einer Meinung sein, aber wir sollten einer Meinung sein, dass beide Seiten der Welt den Willen zum Frieden zeigen müssen. Das kann von palästinensischer Seite die Möglichkeit sein, aufzuhören Raketen zu schießen. Das kann von israelischer Seite die Möglichkeit sein, die illegalen Siedlungen zu räumen und so, wie sie stehen, den Palästinensern zu übergeben. Das kann von Hamas Seite sein, zu sagen, wir erkennen Israel ohne Wenn und Aber an und nutzen unsere gebunkerten Millionen um den Gazastreifen aufzubauen. Das kann von israelischer Regierungsseite sein, zu zeigen, dass man die Wirtschaft zusammen mit den Palästinensern wieder aufbaut. Und natürlich den palästinensischen Staat anerkennt. Aber wer macht den Anfang?

Aber, das ich derzeit so Pro-Israel auftrete, mit Davidstern im Profilbild, das liegt vor allem daran, dass ich dem grassierenden Antisemitismus in diesem Land die Stirn bieten will. Der ist nicht erst in den letzten Wochen wieder erstarkt, der war schon immer da. Er kann sich nur mal wieder offener zeigen.

Leider ist der aber auch bei vielen Linken vorhanden. Und oft merke ich, das Linke nur deshalb auf der Seite Palästinas stehen, weil es gegen Israel geht und wie wir wissen, ist Israel ja der Freund der USA und gegen die USA muss man als Linker ja sowieso sein. Da schreiben dann auch Linke sowas wie „USrael“ und sprechen dem Staat Israel das Existenzrecht ab. Und das finde ich einfach alles nur widerlich und ist keine linke Position. Und ganz besonders nicht, wenn Linke mit Iran-Fahnen rumlaufen, wie letztens in München gesehen.

Ich will Frieden für beide Seiten. Aber was ich will, interessiert in Nahost wohl niemanden. Trotzdem: Für Frieden müssen beide Seiten ihren Arsch hochkriegen und den Willen zeigen.

Josef A. Preiselbauer

2 comments

  1. Hej, nicht den Kopf hängen lassen. Wie du sagst, manchmal kriegt man von beiden Seiten eine reingehauen. Diese bist du nicht für mich, bist du gegen mich – Mentalität hat sich hier eingeschlichen wie die Tatsache das man gerne den Schwächeren stützt und dabei blind wird für den Umstand wie es überhaupt dazu kam, vor lauter verteidigen.
    Schau, ich bin auch links eingestellt, mag die USA nicht, liebe aber Israel. Und ich kenne die Fehler des Landes nur allzu gut, und auch die Widersprüche. Ich persönlich war jahrelang neutral, selbst als die Hamas 2012 auch auf TelAviv schoss und ich mit meiner besseren Hälfte dort, hab ich keine Partei ergriffen und mit beiden Seiten diskutiert. Dann gings mir so wie dir jetzt. Ich nahm Abstand von dem Thema und besann mich auf meine eigenen Werte. Manchmal wenn man sich zusehr in so ein Thema vergräbt, vergisst man was einem wichtig war zu erreichen. Das tat ich, nicht lange danach hab ich ein paar Dinge mitgekriegt die mich so in Mark und Bein getroffen haben, das ich zum ersten Mal seit Jahren Position bezogen habe. Und meine jetzige Sorge gilt der israelischen Bevölkerung und teilweise der Palestinas. Aber für die Hamas vergieße ich keine Träne, und die rechten in der Knesset wie Netanjahu, Liebermann und Konsorten gehören abgesetzt. Dann gäbs auch reelle Chancen auf Frieden (sofern dann Isis nicht über Israel und Palästina herfällt). Aber weißt du was der Mist bei dem ganzen ist? Menschen leiden, sterben oder werden verletzt. Und wir in Europa hauen uns die Köpfe ein, bedrohen uns gegenseitig oder randallieren durch die Straßen bei der Frage wer Recht hat. Durch die EU haben wir Frieden erreicht, aber wirklich besser oder reifer oder intelligenter sind wir auch nicht.

  2. Das klingt alles sehr vernünftig. Nur durch die EU haben wir keinen Frieden erreicht. Das versucht man uns hier nur einzureden. Die EU ist unter aktuellen Bedingungen notwendig und ich bin kein EU-Gegner. Nur ich hätte gern andere Ziele der EU. Das könnte dann wirklich die Grundlage für Frieden werden. Man schaue sich nur die Rolle der EU im Ukraine-Russland-Konflikt an. Auch wenn der Hauptkriegstreiber gegenwärtig die USA sind, die EU bemüht sich hier um baldmöglichen Positionsanschluss.

    Für den Nahen Osten gibt es unter den gegebenen Verhältnissen keine friedliche Lösung. Es mag immer wieder mal Hoffnung aufkeimen, aber die wird in kürzester Zeit wieder zerstört. Die Lösung gibt es genauso wenig, wie man das Verschwinden des Antisemitismus in der gegenwärtigen Welt erwarten darf. Lösungen kommen erst, wenn das derzeitige Wirtschaftssystem überwunden ist.

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