Aufruf zum Gedenken an den 70. Jahrestag
der Ermordung Ernst Thälmanns

Dem Gedenken an Genossen Thälmann

Ich kann’s nicht fassen – Thälmann lebt nicht mehr!
Der beste der Genossen ist gegangen …
Ein Vorbild war er allen um ihn her,
Den Freunden Freund – die Feinde macht er bangen. …

Doch wenn auch Thälmann uns verließ,
Darf Euch die Trauer um den Freund nicht schwächen,
Geht weiter auf dem Weg, den er Euch wies!
Es kommt die Zeit, wo wir sein Sterben rächen!

(Unbekannter sowjetischer Häftling im KZ Buchenwald)

Wir rufen alle fortschrittlichen Kräfte auf:

Kampf dem neuaufkommenden Faschismus und der Kriegsgefahr!
Schluss mit Geschichtsumschreibung und Geschichtsklitterung!
Keine Umbenennungen von Straßen, Plätzen und Einrichtungen,
die nach antifaschistischen Widerstandskämpfern benannt sind!
Schluss mit der modernen Denkmalstürmerei!
Schluss mit der Verteufelung des kommunistischen und antifaschistischen Widerstands!

Am 18. August diesen Jahres jährt sich zum 70. Mal der Tag, an dem Ernst Thälmann nach über elfjähriger Kerkerhaft in Buchenwald hinterrücks ermordet wurde.

47 jährig wird er am 3. März 1933 in Berlin durch Verrat von Faschisten verhaftet – am 17. August 1944 von seinen Mördern aus der Bautzener Zelle geholt und ins Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar überführt –in den Morgenstunden des 18. August 1944 auf Befehl Hitlers erschossen. Thälmann hat kein Grab – seine Asche wurde vor dem Krematorium verstreut. Seine Ermordung fand in der bundesdeutschen Justiz bis heute keine Sühne.

In der internationalen Solidaritätsbewegung für seine Freilassung und für die Opfer des Faschismus wurde sein Name zu einem Symbol für eine unbeugsame Haltung gegenüber dem Faschismus. Ernst Thälmann, der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Deutschlands und Vorsitzende des RotFront- Kämpferbundes, war vor und während seiner Haftzeit weltweit bekannt und geschätzt. Er konnte wie kein anderer mit einfachen und klaren Worten den Zusammen-hang von Kapitalismus, Faschismus und Krieg darstellen. Dafür hassten und hassen ihn seine Feinde, auch heute noch.

Ermordet haben sie ihn, aber die Ideale, für die Ernst Thälmann stand, sind unsterblich!

Die Erinnerung an den kommunistischen Widerstand und die Widerstandskämpfer aus der Arbeiterbewegung soll aus den Köpfen der Menschen gelöscht werden.

Heute werden Straßen, Schulen und Plätze, die nach ihm und anderen Antifaschisten benannt wurden, umbenannt, Denkmäler geschleift oder, wie in Ziegenhals, Gedenkstätten zerstört oder „umgewidmet“.

Auch in Berlin ist das Ernst-Thälmann-Denkmal durch Spekulanten und in Zusammenarbeit mit Bezirkspolitikern vom Abriss bedroht – trotz zahlreicher anders lautender Verlautbarungen, trotz des Denkmalschutzes. Wir müssen wachsam bleiben und für eine würdige Kommentierung des Denkmals, die aktuell geplant ist, ringen.

Für den Mord an Ernst Thälmann, den Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Deutschlands und des Roten Frontkämpferbundes, für Mord an Tausenden seiner Kampfgenossinnen und -genossen gibt es kein Vergeben, kein Vergessen. Die Toten des faschistischen Terrors, des Holocaust an den Juden, Sinti und Roma in Europa, die Millionen Kriegsopfer, insbesondere die der Völker der Sowjetunion, sind uns stets Mahnung, um unermüdlichegen Faschismus und Krieg zur Tat zu schreiten.

Die Machtübergabe an Hitler am 30. Januar 1933 war möglich geworden durch die Verflechtungen von Teilen des deutschen Kapitals, Militär, Polizei und Justiz mit den Nazis. Sie war auch möglich geworden, da die Einheit aller Antifaschistinnen und Antifaschisten, die Einheit der Arbeiterklasse nicht hergestellt werden konnte.

Seit 1990 werden in Deutschland fortgesetzt Morde durch Nazis verübt – nicht erst die NSU-Morde haben gezeigt, welches Ausmaß an Brutalität der faschistische Terror in Deutschland wieder erreicht hat. Möglich war dies durch die Verstrickungen der deutschen Geheimdienste, insbesondere des Verfassungsschutzes (VS), mit Nazis und Nazi-Terroristen. Was uns an Aufklärung präsentiert wird, ist nur die Spitze des Eisbergs. Wir fordern daher die lückenlose Aufklärung der NSU-Morde; Bekanntgabe aller NSU-Mitglieder und des Umfangs der Zusammenarbeit und der staatlichen Finanzhilfen für braune Strukturen und Parteien (NPD) mittels „V-Männer“ durch Polizei und den Geheimdiensten BND, MAD und VS. Beim Anblick dieser Eisbergspitze wird auch deutlich: Die Forderungen nach Auflösung des VS und ein NPD-Verbot können daher nur ein Anfang sein. Ein Anfang, um die Position von uns Antifaschistinnen und Antifaschisten zu stärken – in einem Land, in dem die Schwarz-Braunen behaupten, sie seien politische „Mitte“ und der Staat beim Kampf gegen Rechts versagt, weil Links mit Rechts gleichgesetzt wird. Daher: Nur gemeinsam können wir Antifaschist/-innen den braunen Schlägern und Mördern, ihren Förderern und Nutznießern etwas entgegensetzen! Die kontinuierlichen und entschlossenen antifaschistischen Proteste und Blockaden wie bspw. in den vergangenen Monaten gegen die Nazi-Umtriebe in Dresden, Berlin, Cottbus oder Pforzheim sind Beispiele der Erfolge, die wir erzielen können, wenn wir uns nicht spalten lassen. Daher rufen wir auf: Gemeinsam stark gegen Faschisten und Reaktion! Weg mir der Totalitarismus- und Extremismustheorie, der Formel „Rechts gleich Links“, gegen Verharmlosung des Faschismus und Kriminalisierung des Sozialismus!

Das Europa der Banken und Konzerne, konkret die Politik des deutschen Imperialismus, hat eine Reihe von Ländern – Griechenland, Portugal oder Spanien – in den Ruin getrieben. Die Bevölkerung, die Werktätigen dieser Länder sollen die Krise des Kapitals bezahlen. Gleichzeitig wachsen faschistische Bewegungen, wie in Griechenland die sog. „Goldene Morgenröte“ oder kommen an die Regierung, wie die ungarischen Jobbik-Faschisten. Die jüngsten Vorgänge in der Ukraine lassen uns aufhorchen. Ein Putsch, ein „regime change“, in Auftrag gegeben von den Großmächten Deutschland, Frankreich und den USA – gestützt auf Faschisten und Antisemiten, die uns als

„Opposition“ ausgegeben werden. Diese offene Provokation gegenüber Russland ist ein Spiel mit dem Feuer. Lasst uns die Kette Jugoslawien, Somalia, Irak, Afghanistan, Libyen, Syrien, Mali, Ukraine endlich beenden und unseren Internationalismus in Wort und Tat den imperialistischen Kriegsbrandstifter entgegen setzen! Der Hauptfeind steht im eigenen Land: Krieg dem Krieg!

Wir nehmen den 70. Jahrestag der Ermordung Ernst Thälmanns zum Anlass, um jener Menschen zu gedenken, die Opfer faschistischer, rassistischer oder antisemitischer Gewalt wurden.

Wir rufen daher gemeinsam zu folgenden Veranstaltungen für Samstag, den 23. August 2014 in Berlin auf:

Eine Veranstaltung im Karl-Liebknecht-Haus, anschließende Demonstration zum Ernst-Thälmann- Denkmal in der Greifswalder Straße, sowie dortige Abschlusskundgebung mit Redebeiträgen, Musik und Kultur.

Unterzeichner:

  • Vera Dehle-Thälmann (Enkelin von Rosa und Ernst Thälmann)
  • Kuratorium „Gedenkstätte Ernst-Thälmann“ e.V. Hamburg
  • Freundeskreis „Ernst-Thälmann-Gedenkstätte“ e. V. Ziegenhals
  • Revolutionärer Freundschaftsbund (RFB) e. V.
  • Aktionsbündnis Thälmann-Denkmal Berlin

Josef A. Preiselbauer

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