Alltag und Tristesse im Jobcenter

Seit den großen so genannten Arbeismarktreformen der SPD-Grünen-Koalition (Wer hat uns verraten?) vor 10 Jahren heißen Arbeitslose (Oh, Arbeitssuchende!) ja Kunden und gehen in das Jobcenter bzw. die Agentur für Arbeit. Während man als Kunde in einem Geschäft zumindest erwarten kann, das die Angestellten dort versuchen auf Wünsche einzugehen, ist man in der Agentur für Arbeit nur eine Stelle in der Statistik und wird abgehandelt. Möglichst schnell, sehr selten mit Erfolg. Die größten Erfolge sind dann immer noch eine Vermittlung in eine Zeitarbeitsfirma, am besten noch mit Zuzahlung durch die Arbeitsagentur, weil man von dem Hungerlohn in Deutschland fast nicht leben kann. So die allgemeinen Erfahrungen. Da interessiert es auch nicht, ob man sich politisch und gesellschaftlich engagiert, als Arbeit zählt sowas in der kapitalistischen Verwertungslogik sowieso nicht.

Die Jungjournalistin Mercedes Nabert berichtet auf ihrem Facebookprofil von ihren neusten Erfahrungen.

Menschen gibt es, das gibt es gar nicht! Hintergrund: ARGE. Wollte wegen evtl. Jobangebot Darlehen für Diktiergerät beantragen. Wollte wissen, was Vermittlungsgutscheine sind. Hatte noch mehr Fragen, aber… Nach 10 Minuten Gespräch:

Frau K.: „Ich sehe hier trotzdem eine gewisse Diskrepanz zwischen dem, was Sie sich vorstellen und dem was ich hier an Voraussetzungen sehe.“

Ich: „Sehen Sie, deshalb habe ich Sie ja um den Termin hier gebeten. Um meine beruflichen Perspektiven zu besprechen und weil ich mir in manchen Dingen Unterstützung erhofft habe.“

Frau K: „Aber Sie sind doch sonst nie auf unsere Angebote eingegangen. Ich sehe hier nichts, wofür Sie mal anständig bezahlt worden wären in Ihrem Lebenslauf. Ich sehe da eine gewisse Diskrepanz.“

Ich: „Haben Sie nicht die Studie der Uni Jena gelesen, der nach die viele Arbeitssuchende ehrenamtlich tätig sind? Und ist das nicht gut so, wenn Menschen, die vielleicht andere Startchancen hatten…-“

Frau K.: „Ich habe mir mein Studium auch selbst finanziert, sie müssen mir da nichts erzählen. Ich weiß auch, was in der Welt da draußen geschieht. Ich frag mich weiterhin, wie Sie sich ihre Zukunft vorstellen, wenn Sie uns gegenüber diese Haltung bewahren“

Ich: „Es tut mir leid, wenn Sie meine Haltung stört, doch für mein Gewissen ist es einfach besser für wenig Geld viel zu tun, als nach 6 Monaten im Callcenter 6 Wochen Kur auf Staatskosten genießen zu müssen. Aber, wissen Sie, trotzdem sitzt man auf dieser Seite des Tisches immer ein bisschen niedriger.“

Frau K.: „Ich kann Ihnen gerne erklären, wie Sie hier hinkommen, wenn Sie daran interessiert sind.“

Ich: „Das bin ich nicht, aber natürlich würde es mein gesellschaftliches Leben erleichtern. Selbst sie haben mich ja gerade meines geringen Einkommens wegen verurteilt. Und vielleicht missverstehen Sie Ihren Job zu Teilen, wenn Sie glauben, dass es darum ginge alle Kunden in Vollzeitbeschäftigungen unterzubringen. Es ist natürlich nett, wenn Sie das versuchen, die allermeisten wollen hier so schnell wie möglich raus, aber das ist erstens rein rechnerisch nicht möglich, zweitens würde das ihre Stelle kosten, drittens sind die Gelder auch für die kommenden Jahre bereits so eingeteilt, dass es Ihren Kunden möglich sein kann, wird und soll, dass sie auf eigenen Wegen ihren Teil zur Gesellschaft beitragen.“

Frau K.: „Na, aber bei Menschen wie Ihnen, muss ich mir um meinen Job ja keine Sorgen machen. Jedenfalls möchte ich mit Ihnen garnicht politisch diskutieren, ich wollte nur auf diese gewisse Diskrepanz hinweisen.“

Ich: „Sie haben mir hier gerade Vorwürfe für mein Ehrenamt gemacht. Und es geht mir nicht um mich persönlich, sondern darum, dass die wenigsten Ihrer Kunden hier GERNE sitzen. Es ist nicht schön, auf Sie angewiesen zu sein. Es ist kein Lifestyle.“

Frau K.: „Das klingt ehrlich gesagt jetzt nicht nach ihnen, da plappern Sie doch irgendwas nach oder zitieren aus, ich weiß auch nicht, einem Parteiprogramm.“

Ich: „Nein, das ist, wie gesagt, die Studie der Uni Jena. Gibt’s noch bei Amazon, hatte ich erst neulich das Gespräch.“

Frau K.: „Nur genauso reden die Linken doch auch! Aber ich würde hier jetzt auch gerne weitermachen.“

Ich: „Ich wähle die FDP.“

….

…..

Frau K.: „Aber Ihr Lebenslauf funktioniert doch so nicht! Bürgerliste, Nichtregierungs…äh was? Das ist doch alles nichts Handfestes!“

…. EINE STUNDE!!!! Aaaaargh!

Und weiter…

Ich habe übrigens auch immer noch keine Ahnung, welche Bedingungen nun an den neuen Vermittlungsgutschein geknüpft sind, den Sie mir am Ende widerwillig ausgehändigt hat. -.- Auf die Frage meinte Sie nur so: „Ich weiß ja gar nicht, was Sie damit wollen, wenn Sie bisher keine Hilfe von uns annahmen.“ und ich so: „Was Sie als Hilfe bieten und gewiss gut meinen, sind eben allenfalls Kompromisse.“ Und Sie so: „Tja, so läuft das im Leben. Ich wünschte mir auch, man müsste die nicht machen!“ Und ich so: „Na ja, wenn ich den jetzt abgebe, ein Vermittlungserfolg aber nicht eintritt, hat das für mich Konsequenzen? Und wenn ich vermittelt werde, und das Jobcenter zahlen muss, bekommt es dann noch was von mir zurück? Und was, wenn mir gekündigt wird, bevor es sich rentiert?“ Und Sie so: „Darüber reden wir wenn es soweit ist“ KOPFSCHMERZEN!!!

Josef A. Preiselbauer

2 comments

  1. Langsam, ganz langsam, scheint sich mein Puls wieder gen Sinusrhythmus zu regulieren… ;3
    So ein*e Harzer*in wie ich muss übrigens ganz schön lange auf der Couch rumgammeln, um die Kohle für den Schnaps aufzubringen, der nach solchen Aktionen nötig ist. #nk

  2. Ich habe beim Jobcenter einen Widerspruch eingereicht weil mein Integrationsmanager meinte das ich jeden Monat mindesten 5 Bewerbungen nachweisen müsse,in dem Widerspruch schrieb ich das ich ja alle Möglichkeiten eine Arbeit zu finden ausschöpfen würde,aber wo nicht ist da kann man sich nicht bewerben,selbst mein Inegrationsmanager sei ja nicht in der Lage mir Stellenangebote vorzulegen.Mein Widerspruch wurde abgelehnt und zudem wurde mir mitgeteilt das man vom Jobcenter aus nicht für die Vermittlung von Arbeitsplätzen zuständig sei,diese müsse man schon selber finden. Aha,so ist das also…….

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