G7 – Nachbetrachtungen

In diesem Artikel möchte ich von den Tagen aus der persönlichen Sicht berichten und am Ende ein Fazit ziehen.

Es waren ein paar anstrengende Tage in den Alpen beim G7-Gipfel bzw. den Protesten dagegen. Wobei wir als Journalisten eindeutig den größeren Komfort hatten. Kostenlose Essen und Getränke im Pressezentrum (Frühstück, Mittag, Abendessen…), sogar ein Biergarten, ganz wichtig: ein Dach über den Kopf, schnelles Internet… Und mit dem Akkreditierungsausweis unterwegs auch fast keine Probleme mit Polizeisperren.

Wir waren eine Gruppe von erst drei, später vier freien Journalisten. Unsere Unterkunft lag in Mittenwald, also knapp 20 km von Garmisch entfernt. Fast die komplette B2 zwischen Garmisch und Mittenwald war von Hamburger Gittern gesäumt. 15 Kilometer!

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Am Freitag kamen wir an. Kaum hatten wir die Sachen abgelegt, hieß es über Twitter: Demonstration Garmisch. Also wieder rein ins Auto, auf nach Garmisch, die Demonstration suchen und arbeiten. Das war die Demonstration vor dem George C. Marshall Europäisches Zentrum für Sicherheitsstudien. Bei der Gelegenheit bekamen wir auch das Camp zum ersten Mal zu sehen. Fotografieren war darin allerdings verboten, das wurde im Campplenum festgelegt.

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Wieder zurück in Mittenwald konnten wir etwas ausruhen und ein paar Einkäufe erledigen. Vor allem Getränke. Trinken war das absolut Wichtigste bei Außentemperaturen von über 25 Grad im Schatten.

Abends saßen wir in einer Pizzeria, wir hatten gerade mit Essen angefangen, da kam die Meldung: Demonstration in Garmisch. Essen rein, Rechnung her, rein ins Auto und ab geht’s. Gut wie wir waren begann die kurdische Demonstration gerade, Anlass war die Wahl in der Türkei und die Explosion mit mindestens zwei Toten bei einer Kundgebung der Halkların Demokratik Partisi.

Das Material musste noch danach bearbeitet werden, so dass wir in der Nacht eher wenig schlaf bekamen, denn am Samstag war die Großdemonstration in Garmisch geplant.

Bei dieser Großdemonstration hatten wir als Journalisten meistens relativ gute Bewegungsfreiheit, auch wenn wir immer mal wieder von der Polizei angepöbelt wurden. „Entweder sie laufen jetzt außen oder innen.“ Ja wie denn, wenn zwei Reihen Polizei am Straßenrand mitlaufen und die innere Reihe schon mit den Seitentransparenten „kuschelt“? Als es dann krachte, weil die Polizei in die Zwischenkundgebung reinprügelte und sprayte, war es auch für uns besonders schwierig. Einerseits müssen wir natürlich an das Geschehen ran, anderseits fühlt sich dann mancher Polizist behindert. Dabei kam es auch zu der dokumentierten Aussage: „Wenn ihr uns stört, endet eure Pressefreiheit hier.“ (Im Video bei 0:47) Dazu die durch die Luft schwebenden Reste von Pfefferspray. Einige Journalisten hatten nicht umsonst eine Gasmaske auf.

Der Samstag endete in wolkenbruchartigen Unwettern, abends wurden wieder die Nacharbeiten erledigt, Bilder sichten, Videos schneiden, Artikel schreiben, hochladen, etc.

Sonntag fand der Sternmarsch statt. Also auch wieder sehr früh aufstehen. Unsere Gruppe teilte sich auf und es ging richtig in die Berge. Wir standen unterwegs in Kontakt, so dass wie später wieder zusammenfinden konnten. Es war verdammt warm und wenn man dann noch Material mitschleppt, hält sich der Spaß in Grenzen. Vor allem für die Fernsehteams, die schwere Kameras und Stative den Berg hochbuckelten.

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Ich hatte ja darüber berichtet, nachdem klar war, dass oben am Zaun nichts mehr passieren würde, lief ein Teil der Journalisten wieder ins Tal.

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Kaum in Garmisch, noch schnell zur nächsten Demonstration. Diese endete am Camp und damit war für uns auch Feierabend, zumindest was die Außenarbeit betraf.

Bis spät abends saßen wir im Pressezentrum in einer größeren Gruppe zusammen. Da wurde viel gelacht, Erfahrungen ausgetauscht, über gewisse „Kollegen“ gelästert ;), sich gegenseitig geholfen und vor allem entspannt. Obwohl ich mein eigenes MacBook nicht dabeihatte, konnte ich mit Hilfe der Technik vor Ort und der Kollegen meine Fotos sortieren und den Bericht für mein Blog schreiben.

Am Montag sind wir wieder beizeiten aufgestanden, um die Abschlusskundgebung in Garmisch noch zu dokumentieren. Genützt hat es leider nichts, denn erst standen wir in Mittenwald, und dann war kurz danach, an der Zufahrtsstraße zum Schloss Elmau, auch für uns Schluss. Wir fuhren dann über Österreich nach Garmisch, aber da war dann schon alles vorbei.

Dafür sahen wir wieder, wie schon die vorangegangenen Tage, Unmengen an Polizei. Es war fast unmöglich ein Foto zu machen, ohne ein Polizeiauto vor die Linse zu bekommen. Der Aufwand war wirklich gigantisch. (Fotos von verschiedenen Tagen.)

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Nachdem wir später noch eine Kollegen in Garmisch abgeholt hatten, ging es wieder heim und Abends waren wir wieder in München.

Bleibt nur die Frage, was haben die Proteste gegen den G7-Gipfel gebracht? Das vorher von Politik und Polizei konstruierte Gewaltszenario gab es nicht. Weder in München noch in Garmisch. Auf einem Demonstranten kamen fünf Polizisten. Hätte die Polizei am Samstag nicht selber noch für Randale gesorgt, wäre gar nichts passiert. Die Angst, die in Garmisch verbreitet wurde, war unbegründet. Man sah es auch an den Garmischer Geschäften, nur ganz wenige hatten ihre Schaufenster mit Holzplatten gesichert. Die Bürger waren alle recht entspannt und dafür sehr interessiert an den Demonstrationen.

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Und das politische Ergebnis? Die Proteste sind nächste Woche schon wieder vergessen. Und die Ergebnisse des Gipfels… Welche Ergebnisse? Was außer schönen Bildern mit einem lässigen Obama und bayrischen Trachten hat es denn gegeben? Ach ja, Klimaschutz. Wie Merkel sagte: „Die G7-Länder werden solche Verpflichtungen abgeben.“ Also nicht: Die Staaten verpflichten sich sondern die Staaten wollen sich verpflichten. Das ist genau nichts. Alles nur schwammige Versprechungen, die in paar Tagen wieder vergessen sind. Das kapitalistische System läuft ja gut, wie es läuft. Warum sollten 7 Staatschef, die sich anmaßen, für 7 Milliarden Menschen zu sprechen, etwas daran ändern wollen, was wirklich etwas ändern würde?

Josef A. Preiselbauer

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