Linker Antisemitismus – Analyse der „Gruppe Arbeitermacht“ und „Revolution“

Unter den unzähligen linken Gruppen in der BRD, von der jede die Wahrheit für sich gepachtet hat und alle anderen Spalter sind, gibt es auch die „Gruppe Arbeitermacht“ und ihrer Jugendorganisation „Revolution“.

Mal wieder darauf gestossen bin ich durch einen Artikel in der Jungle World, in dem es um die Wertung des Nahostkonfliktes in der Linksjugend geht: „Antideutsche, Kettenhunde und Panzer unerwünscht“. Dort steht:

Auch die revolutionäre kommunistische Jugendorganisation »Revolution« kommentierte die Ereignisse und sieht die reformistischen Kräfte in der Linkspartei als die wahren Drahtzieher hinter den Shalom-Arbeitskreisen: »So wie die israelischen Panzer die Kettenhunde des Imperialismus darstellen, so sind die Antideutschen die Kettenhunde des Reformismus in der Jugendorganisation, die gefügig gehalten werden soll.«

Nun sind ja sowohl „Arbeitermacht“ und auch „Revolution“, trotz der volltönenden Namen, eher sehr unbedeutende Gruppierungen. Allerdings kenne ich einen jungen Genossen, der sich insbesondere in „Revolution“ engagiert, und sehr empört reagiert, wenn man seiner Organisation Antisemitismus unterstellt. Wäre also die Frage, kann man „Arbeitermacht“ und „Revolution“ als antisemitisch bezeichnen oder ist das nur wieder ein Totschlagargument der so genannten Antideutschen?

Ich habe einige Artikel von „Arbeitermacht“ und „Revolution“ herausgesucht. Was ich da gelesen habe, hat mir teilweise die Haare zu Berge stehen lassen. Da geht doch nichts über ein bisschen klassische Rassentheorie. In „Die Juden: Rasse, Nation oder „Volksklasse“?“ findet man Aussagen wie diese:

Die Juden stellen ganz klar keine Rasse dar. Das ursprüngliche hebräische Volk und seine Sprache gehörten der semitischen Familie an, aber zweieinhalb Jahrtausende der Ansiedlung unter nichtsemitischen Völkern, die weit verbreitete Bekehrung zum Judaismus in früheren Zeiten und Fremdverheiratung haben diese Gemeinwesen – wie bei den meisten anderen Völkern – zu einer „Rassenmischung“ werden lassen.

Das ist eine Ausdrucksweise, die mich schon sehr an das Dritte Reich erinnert.

Ein weiterer Artikel bei „Arbeitermacht“ trägt den Titel: „Vom Faschismus zur Gründung Israels“. Da finden sich dann Aussagen wie:

Der Holocaust mit der Ermordung von sechs Millionen Juden jedoch ließ den Zionismus triumphieren und gestattete die Gründung des Staates Israel.

Ab 1939 machte das Versagen der deutschen Autarkie eine Ausdehnung nach Osten und Süden nötig, um die industriellen und landwirtschaftlichen Reichtümer Polens, der Tschechoslowakei, der Ukraine und Österreichs zu plündern. In diesen Kriegsgebieten existierte jedoch die größte Ansammlung des Weltjudentums.

Zionistische Darstellungen des Holocaust stellen diesen Völkermord als isoliertes Geschehen in der Menschheitsgeschichte dar und bringen ihn einzig mit dem Antisemitismus in Verbindung. Dies ist jedoch eindeutig nicht der Fall. Die Vernichtung von Millionen Eingeborener Amerikas zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert, die ungezählten Massen von Afrikanern während zweier Jahrhunderte des Sklavenhandels waren ebenfalls Opfer eines Völkermordes. Der moderne Rassismus des Imperialismus erhob sich, um diese Gräuel zu rechtfertigen. Marxisten wollen keineswegs vom besonderen Schrecken des Holocaust ablenken, aber wir beharren darauf, dass er weder einzigartig war, noch seinen eigentlichen Ursprung im Antisemitismus hatte. Er war vielmehr ein Produkt der extremen Krise des Imperialismus.

Auch die Zionisten wollten ein judenfreies Deutschland, vorausgesetzt, dass sie nach Palästina und nirgendwo sonst hin emigrieren konnten. Als Ergebnis dessen versuchten die Zionisten, während Sozialisten, Kommunisten und sogar liberale Juden mutig gegen Hitler kämpften, mit ihm einen Handel zu schließen.

Der Zionismus sieht einerseits das Judentum als das Gute schlechthin an, während der Antisemitismus es als das Böse schlechthin betrachtet. Aber der Zionismus braucht den Antisemitismus; er ist seine Existenzberechtigung.

Aber nun zur Organisation „Revolution“. In dem Artikel „REVOLUTION und die Nationale Frage“ findet man solche Passagen:

„Einige vermeintlich linke Organisationen unterstützen den Staat Israel in seiner systematischen und kriegerischen Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung. Sie argumentieren dabei, dass der zionistische Staat die Verkörperung der nationalen Befreiung aller Juden und Jüdinnen, die Jahrhunderte lang in Europa verfolgt und massenhaft hingerichtet wurden, sei. Ein nationaler Befreiungskampf (wobei Juden und Jüdinnen eine Religionsgemeinschaft und kein Volk und keine Nation darstellen)darf jedoch nicht in die Unterdrückung einer anderen Nation münden. Für uns ist Zionismus nichts weiter als eine rassistische Ideologie, die Juden und Jüdinnen als „Fremdkörper“ in Europa betrachtet und deshalb mit Hilfe des Imperialismus einen jüdischen Staat auf dem Gebiet des historischen Palästinas gründete. Revolutionär_innen lehnen jeden Antisemitismus aber auch jede Waffenbrüderschaft mit dem Imperialismus strikt ab! Erst recht, wenn das Resultat dessen die Unterdrückung der Palästinenser_innen, welche der Zionismus aus ihren Häusern vertrieben, durch einer Mauer abgeriegelt und bombardiert hat, ist. Wir unterstützen deshalb den nationalen Befreiungskampf der Palästinenser_innen gegen die Angriffe Israels. So sehr wir uns jedoch auch mit dem Kampf der Palästinenser_innen solidarisieren, so dürfen wir auch keine Illusionen in deren reaktionäre Führung aus Fatah und Hamas haben. Im gemeinsamen antiimperialistischen Kampf für nationale Selbstbestimmung, darf keine Minute auf die Unabhängigkeit der Revolutioär_innen verzichtet und die Forderung nach Sozialismus zurückgehalten werden. Wir wissen, dass ein Volk, das andere unterdrückt, sich selber nicht befreien kann und suchen deshalb auch den Schulterschluss mit allen Arbeiter_innen, Jugendlichen und afrikanischen Refugees auf der israelischen Seite, um zusammen für einen multi-ethischen säkularen Staat für alle Völker auf dem Gebiet des historischen Palästinas zu kämpfen.“

Und besonders widerlich, in „Hamas, Antisemitismus und ein säkulares Palästina – 3 Punkte zum aktuellen Konflikt in Israel und Palästina“ so etwas:

„Der israelische Staat zwingt seine Zivilbevölkerung also sogar dazu, ihr Leben für diesen Staat zu geben, der nur durch Landraub und systematische Unterdrückung aufgebaut werden konnte.“

Da findet man auch die Behauptung, die Hamas wäre durch Israel aufgebaut worden.

Zum einen sollte man wissen, woher die Hamas eigentlich kommt. Sie wurde 1987 während der ersten Intifada als ein Zweig der Muslimbruderschaft gegründet, die ursprünglich aus Ägypten kommt, und besteht aus einem militärischen Zweig und einer politischen Partei. Ursprünglich war die Hamas eine relativ kleine und unprofessionelle Organisation.
Die Tatsache, dass sie bei ihrer Bewaffnung und Radikalisierung von keinem geringeren als dem israelischen Geheimdienst persönlich unterstützt wurden, macht die aktuelle „Selbstverteidigung“ Israels noch zynischer.

Ziemlich dämlich ist auch diese Aussage:

„Dieser Staat im Nahen Osten ist kein Staat der Arbeiterklasse, sondern er ist eine Halbkolonie des US-Imperialismus und des europäischen Imperialismus, der deren Interessen in dieser Region vertritt und seit seiner Gründung offensiv Kriege gegen seine Nachbarländer führt.“

Nun ist es sicher so, das Israel und USA feste Verbündete sind. (Auch wenn man davon bei Obama nicht mehr viel merkt.) Aber man sollte dem Autor mal ein Geschichtsbuch zu lesen geben, damit sich da wenigstens ein bisschen intelligenzmäßig was tut. Die Überfälle arabischer Staaten auf Israel (Der erste am Folgetag der Staatsgründung 1948) als offensive Kriege Israels gegen seine Nachbarländer darzustellen… Da fehlen mir die Worte!

Und immer wieder lustig zu sehen, wie man dem Staat Israel seine nationalen Interessen abspricht, während man sich für die nationalen Interessen der Palästinenser einsetzt. Israel ist die Bourgeoisie, und was ist die islamische Hamas, die Fatah, die PLO und was sind die Palästinenser, die von der Vernichtung Israels träumen? Revolutionäre? Selten soviel kindlich-revolutionäre Träumerei gesehen.

Weiter im Text:

„Mit der Forderung nach zwei Staaten, einem zionistischen Israel und den von ihm gütigerweise übrig gelassenen aber weiterhin wirtschaftlich abhängigen palästinensischen Gebieten, wäre politisch kein Fortschritt erreicht.“

Wenn Palästina so wirtschaftlich abhängig ist, warum bekommt es dann so wenig Unterstützung von seinen arabischen Nachbarn?

„Nur in einem gemeinsamen Staat von Jüdinnen und Juden, Moslems und Muslima und Menschen mit jeglichen anderen Konfessionen sowie Atheist_innen, ohne Einfluss von imperialistischen Staaten, kann Frieden herrschen!“

Es gibt einen Staat, in dem „Jüdinnen und Juden, Moslems und Muslima und Menschen mit jeglichen anderen Konfessionen sowie Atheist_innen“ frei leben können. Der Staat nennt sich Israel.

Wer einen Stopp der Waffenlieferungen an Israel fordert (Von einem Stopp der Unterstützung der Palästinenser steht da ja interessanterweise nichts), wer also diesen Stopp fordert, der fordert damit die Auslöschung des Staates Israel, die folgen wird, wenn Israel sich nicht mehr verteidigen kann. Und das ist zutiefst antisemitisch.

Der Traum mancher Mitglieder von „Revolution“ von einer Einstaatenlösung würde zu einer jüdischen Minderheit und damit zwangsläufig zu deren Vernichtung führen. Wer das nicht sieht, man vielleicht ein frührevolutionärer Träumer sein, aber kein Realist. Da nützt es auch nichts, wenn man sich heute, in der Gegenwart, hinstellt, und meint, der Staat sollte unter der roten Fahne existieren.

Zuletzt noch etwas ganz Aktuelles. Am Abend des 27.8. fand in Berlin-Wedding eine antirassistische Demo statt, die unter anderem an der LaGeSo vorbeiführte. Bereits während der Auftaktkundgebung tauchte Martin Lejeune, von dem es einige antisemitische Äußerungen gibt und der Ken Jebsen gerne mal Interviews aus dem Kriegsgebiet G7-Gipfel gibt, mit einigen Fans auf, wurde aber recht schnell von AktivistInnen konfrontiert, die ihm unmissverständlich zu verstehen gaben, dass er unerwünscht ist. Lejeune weigerte sich beharrlich, die Kundgebung zu verlassen, selbst dann noch, als der Anmelder der Demonstration ihm offiziell mitteilte, dass er von der Veranstaltung ausgeschlossen ist. Tragischerweise gab es während der Demo, an der über 1000 Personen teilnahmen, immer wieder Solidarisierungen mit Lejeune. Ein großer Block, der mit Fahnen von „Revo“ und „Arbeitermacht“ im vorderen Teil mitlief, skandierte Parolen wie „Intifada bis zum Sieg!“ etc.

„Intifada bis zum Sieg!“? Noch Fragen?

Fazit: In der „Gruppe Arbeitermacht“ und „Revolution“ gibt es sicher gute Gedanken und revolutionäre Forderungen. Aber im Nahostkonflikt positionieren sich beide Gruppen in einem Maße als antisemitisch, der deutlich zeigt, da fehlt jeglicher Bezug zur Realität. Revolutionäre Träumerein können schön und gut sein, bringen uns aber nicht voran. Trotzkisten halt…

Josef A. Preiselbauer

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