Pegida am 21. Dezember in Dresden

Gestern fand in Dresden wieder einen Pegida-Kundgebung statt, die diesmal im Vorfeld bundesweit schon für Aufsehen sorgte. Von antifaschistischer Seite wurde viel dagegen mobilisiert. Ursprünglich wollte Pegida auf dem Theaterplatz ein „Weihnachtssingen“ veranstalten, allerdings war die Aktion „Herz statt Hetze“ schneller und konnte den Platz für eine Gegenkundgebung reservieren. Darauf drohte Lutz Bachmann dann u.A. bei Facebook an „Am 21. holen wir uns die Neustadt“. Die rechte Pegida in der Neustadt? Das war ein absolutes No Go! Bis wenige Stunden vor Beginn kündigte man an, man wollte auf dem Schlesischen Platz vor dem Bahnhof Neustadt demonstrieren. Inzwischen hatte die Stadt Dresden allerdings für den 21. alle Demonstrationen im Stadtgebiet verboten und nur stationäre Kundgebungen erlaubt. Pegida sollte an das Königsufer (Filmnächte) gehen. Am Montag Mittag war dann klar, Pegida hatte vor dem Verwaltungsgericht verloren und hatte damit nur den Platz an der Elbe. Gegenkundgebungen waren geplant für den Theaterplatz, den Schlesischen Platz und den Alaunplatz. In Erinnerung an das Wochenende in Leipzig anderthalb Wochen zuvor, bei dem es zu schweren Ausschreitungen gekommen war, wurde mit dem Schlimmsten gerechnet.

Aus privaten Gründen war ich sowieso in Dresden, was lag also näher, als das auch zu besuchen und darüber zu berichten. Mancher wird vielleicht auch bei Twitter live meine Tweets verfolgt haben unter @preiselbauer. Ich musste an dem Abend wieder mal ein gutes Dutzend Patrioten blockieren. 😉

Ab 17 Uhr begann die antifaschistische Kundgebung vor dem Bahnhof Neustadt und die Herz statt Hetze Kundgebung auf dem Theaterplatz. Auf letzterem hatten sich mehrere tausend Menschen versammelt. Es wurden klassische Lieder mit Chor und Begleitung vor der Semperoper gesungen.

Zur gleichen Zeit sammelten sich fast tausend Antifaschist_innen auf dem Schlesischen Platz. Gegen circa 18 Uhr liefen alle Richtung Alberplatz und von dort Richtung Elbe. Die Polizei war, wie üblich, ziemlich überrascht, konnte letztendlich aber verhindern, dass die meisten durchkamen. Trotzdem sammelten sich im Laufe des Abends am Carolaplatz und am Goldenen Reiter mehrere hundert Pegidagegner_innen. Näher an Pegida kam man aber nicht mehr. Deren Singsang war mit einer Unmenge Polizeiwagen, mindestens sechs Wasserwerfern und zwei Räumpanzern abgesichert. Außerdem stand eine Hundestaffel mit 15-20 Tieren auf der Straße verteilt bereit.

Zu Pegida gab es eigentlich kaum etwas zu sagen. Das Königsufer war schon zu Nazizeiten ein „Forum für nationale Kundgebungen“ und als Aufmarschplatz geplant, die Stadt zeigte wieder man ihre übliche historische Sensibilität. Nicht! Pegida feierte sich, die Teilnehmer, die ich sah, waren hauptsächlich Männer in jungen und mittleren Alter, viele mit von Alkohol gezeichneten Gesichtern. Bachmann, Festerling und andere hetzten, man brüllte und gröhlte, versuchte sich in Singen und auch sonst war alles wie immer. Deutsch und hässlich.

Die Carolabrücke wurde einseitig komplett abgeriegelt, nicht einmal Journalisten durften bis an das Geländer. Gründe konnte man bei der Polizei nicht nennen, beim Kommunikationsteam der Polizei hatte man keine Kommunikation mit der Polizeiführung. Auf der Augustusbrücke versuchten inzwischen einige Personen eine Spontandemo gegen Pegida anzumelden, das wurde abgelehnt mit der Begründung, die Versammlungsbehörde hat schon Feierabend. Was gelogen war. Zwischendurch soll die Augustusbrücke sogar mal komplett gesperrt gewesen sein, wer von der Neustädter Seite auf die andere Elbseite zur Kundgebung wollte, dem wurde von der Polizei bei Twitter empfohlen, doch über die Marienbrücke zu gehen. Ich kenne die Brücken, das wäre ein riesiger Umweg gewesen.

Währenddessen gab es in der Neustadt einige Zwischenfälle mit marodierenden Nazis. Diese machten Jagd auf Linke und zündeten Mülltonnen an. Nach meinen Informationen gab es dabei zwei Verletzte.

Als Pegida endlich endete, lies man einzelne Pegidioten am Carolaplatz an den Gegendemonstranten vorbei. Letztlich blieb es aber friedlich. Nur am Albertplatz standen noch lange viele Antifaschist_innen, dort kam es auch zu einen oder zwei Flaschenwürden und einer Festnahme. Das war alles.

Als Fazit kann man sagen, der Abend verlief unerwartet ruhig. Abgesehen von den Nazis in der Neustadt und den damit verbundenen Zwischenfällen ist eigentlich nichts passiert. Bachmann fantasierte was von 30.000 Teilnehmern bei Pegida, das wurde später auf 15.000-18.000 herunter korrigiert, aber offensichtlich hat er nur zu viel gekokst. Von den Filmnächten her weiß man, dass da gar nicht so viele hinpassen. Insgesamt waren es wohl nur 6-8000. Was immer noch zuviele waren… Die Polizei machte mal wieder eine Waffenschau. Mehrere tausend Menschen waren gegen Pegida auf der Straße, was zumindest zeigt, dass es in dieser Stadt auch noch Menschen gibt, die die Nazis nicht haben wollen.

Josef A. Preiselbauer

2 comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.