Wie fotografiert man Blitze?

Folgenden Beitrag wurde habe ich bereits 2008 in meinem alten Blog veröffentlicht. Diese drei Fotos habe ich heute aufgenommen.


Ab und an kommt mal die Frage auf, wie ich meine tollen Fotos von Blitzen mache.

Ganz einfach! Kamera bereithalten und wenn der Blitz kommt ganz schnell abdrücken.

Und dann? Dann ist das Bild dunkel.

Warum? Weil ein Blitz nur wenige Zehntelsekunden dauert. In der Zeit hat kaum jemand den Auslöser der Kamera gedrückt. Und dann muss die Kamera ja noch auslösen. Dass uns der Blitz länger erscheint, liegt daran, dass er einfach nur auf der Netzhaut „nachglüht“. 😉

Zum Glück gibt es Kameras mit Langzeitbelichtung. Das sollte heute jede Digitalkamera schaffen. Die meisten haben z.B. einen Feuerwerksmodus. Schon ab Belichtungszeiten von wenigen Zehntelsekunden kann man Glück haben. Damit immer wieder auslösen und hoffen das man mal einen Blitz erwischt. (Das Kamerablitzlicht braucht man dazu nicht.)

Aber es geht noch einfacher. Ich will es am Beispiel meiner Canon S2 IS beschreiben. Die Kamera wird auf einem Stativ befestigt, damit nichts wackelt. Dann stelle ich eine Belichtungszeit von 15 Sekunden, eine Blende von 2,7 ein und ISO 100. Außerdem nutze ich den Serienbildmodus. Einmal ausgelöst, schießt die Kamera 10 Bilder hintereinander mit je einer Belichtungszeit von 15 Sekunden. Na und wenn man da bei einem guten Gewitter nichts erwischt, muss man schon großes Pech haben!

Da die Kamera sich in dunkler Umgebung schwer scharf stellen kann, setze ich die Entfernung manuell auf Unendlich. Die Blitze die ich fotografiere sind hoffentlich weiter als 100 Meter entfernt.

Ich kann die Kamera dann 5 Minuten sich selbst überlassen und anschließend das Ergebnis sichten. Wer sich jetzt wundert, warum das 10×30 Sekunden dauert: Nach jedem Foto berechnet die Kamera noch eine Nachbearbeitung. Blöd natürlich, wenn genau dann der Blitz kommt, so wie ich es gestern erleben musste.

Und warum 15 Sekunden, obwohl der Blitz nur so kurz ist? Weil man mit einer längeren Belichtungszeit weniger Arbeit hat. Fotografiert man natürlich bei trüben Wetter oder in der Stadt, muss man die Belichtungszeit heruntersetzen, da die Umgebung sonst überbelichtet ist. Das sieht dann nicht mehr schön aus. Der Blitz selber ist meistens so extrem hell, das er trotz seiner kurzen Dauer die Umgebung sehr gut ausleuchtet. Das ist ja auch das Prinzip eines Blitzlichtes, nur dass das nicht reicht, eine ganze Stadt auszuleuchten. So schaut das dann ohne und mit Blitz bei einer Belichtungszeit von 5 Sekunden aus:

img_4802.JPG img_4803.JPG
(Alle Bilder)

Und so bei trüben Wetter mit einer Belichtungszeit von 0,5 Sekunden:
img_8506.JPG
(Alle Bilder)

Um große und imposante Ergebnisse zu erreichen, sollte man sich einen Platz zum Fotografieren suchen, von dem man einen weite Sicht hat. Also am besten weit oben in einem Haus oder von einem Berg aus.

Doch VORSICHT! Blitze können Ihnen und Ihrer Kamera schwere bis tödliche Schäden zufügen! Das ist jetzt kein Scherz, beachtet bei Gewitterlagen bitte immer die Gefahren, die Euch drohen!

Meine schönsten Blitzfotos habe ich alle von Hausbalkon in Dresden in der 9. oder 16. Etage fotografiert. Aber auch vom Badfenster im 3. Stockwerk geht das, wie man hier sieht:

Die beiden Bilder enstanden letzte Nacht, die Gewitterfront hatte sich hier ziemlich festgesetzt und auch heute Morgen gegen fünf Uhr noch gedonnert. (Und leider geregnet bei meiner Fahradfahrt zur Arbeit.)

Ich hoffe, mit diesem Artikel geholfen zu haben, und wünsche den Fotografen viel Glück. Wenn ihr mal ein schönes Wetterfoto veröffentlichen wollt, dann könnt ihr das z.B. bei Wetter24.de beim Wetterfoto des Tages versuchen. Welch ein Zufall, heute (11. Juni 2008) ist da ja mein Bild drinne. 😉 Und vielleicht wird Euer Foto dann sogar mal für die Startseite und einen Artikel verwendet!

Ja, das ist wirklich mein gestriges Foto. 😀 (Danke Frank!)

Noch mehr Gewitterfotos von mir gibt es hier und hier und hier.

Josef A. Preiselbauer

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