Die Links zum Sonntag (2)

Über die neuen Montagsdemos

Mancher hat es sicher mitbekommen, es gibt mal wieder Montagsdemos in Deutschland. Diesmal für Frieden. Klingt ja an und für sich erst mal toll, aber was steckt dahinter?

Ich muss sagen, ich habe es eigentlich auch nur zufällig bemerkt, als ich bei Facebook in eine Gruppe namens Linksfraktion (Die nichts mit der Partei zu tun hat!) reingeraten bin. Dort sind eine Menge Spinner unterwegs, aber auch einige sehr vernünftige Leute. Das Thema „Montagsdemos“ wird da heiß diskutiert, zumal die Aufrufe zu diesen Demos auch meistens von dort aus gehen.

Ist jetzt blöd für meine Leser, die da keinen Account haben 😉 , ich versuche es trotzdem hier verständlich zusammenzufassen. Dazu gibts es auch ein paar Videos.

Warum also wieder Montagsdemos? Was würdet ihr wohl dazu sagen, wenn man euch erklärt, das die FED, das Federal Reserve System, also die US-Notenbank seit über 100 Jahren Schuld an allen Kriegen der Welt ist, an der Verfolgung der Juden und der Shoa unter den deutschen Faschisten, an der aktuellen Krise der USA? Würdet ihr zustimmend nicken oder Euch schreiend wegen soviel Dummheit an den Kopf schlagen? Nun, wahrscheinlich würde Euch der Kopf sehr schnell weh tun. Denn so hat es sinngemäß Lars Mährholz, der Anmelder der Berliner Demos, gesagt:


(YouTube)

So viel Liebe! So viel Frieden! So viel Glück!

Auf Kritik an seiner Person reagiert Lars Mährholz sehr empfindlich. Da ist es ganz schnell vorbei mit Liebe & Frieden. Das hat erst wieder der Spiegelfechter gemerkt, wo ein Artikel veröffentlicht und später wieder zurückgezogen wurde. Jetzt gibt es in selbigen Blog einen Offenen Brief an Lars Mährholz. Es ist schon fast gruslig, diesen zu lesen.

(Wer den Originalartikel beim Spiegelfechter gerne mal lesen möchte, der schreibe mir bitte eine Mail oder kommentiere hier mit Mail-Adresse, ich schicke dem dann einen Screenshot zu. Selber möchte ich den hier nicht einstellen, aus den Gründen, die im obigen Blog stehen.)

Eingehender mit der Person Märholz beschäftigt sich auch dieser Indymedia-Artikel: „Völkische Friedensbewegung macht mobil“. Inzwischen hat sich wohl quasi über Nacht einiges auf der Seite von Märholz geändert.

Und dieser Lars Mährholz organisiert also zumindest in Berlin Montagsdemos für Frieden, die ja ach so unpolitisch sind.

Unpolitisch sein heißt politisch sein, ohne es zu merken. (Rosa Luxemburg)

Eine weitere bekannte Person im Zusammenhang mit diesen Demos ist Ken Jebsen, von dem ich persönlich bis vor einer Woche noch nie etwas gehört hatte. Gegen Ken Jebsen stehen einige Antisemitismusvorwürfe im Raum. In einer privaten Nachricht an Henryk M. Broder schrieb er mal, das er weiß, wer den „den Holocaust als PR“ erfunden hat. War natürlich nicht so gemeint und total aus dem Zusammenhang gerissen. Klar. Bei Wikipedia ist das mit Quellen beschrieben.

In einem offenen Brief an Angela Merkel schrieb Jebsen: “

Nationalzionisten haben Israel okkupiert wie Nazis 33 Deutschland okkupiert haben und sprechen im selbst ernannten Auftrag für alle Juden.

Was hier gemacht wird, ist die konstruierte Gleichsetzung Israels mit Deutschlands unter den Faschisten.

Bei leftwinged wurde eine Rede von Jebsen bei einer Montagsdemo mal eingehender analysiert.

„Ausdrücklich“ solidarisch mit Lars Märholz und Ken Jebsen ist auch unser altbekannter Jürgen Elsässer. Viel muss man über diese Person wohl nicht mehr sagen. („Volksinitiative gegen das Finanzkapital“) Eigentlich reicht es aktuell ja aus, sich mal seinen reichlich verwirrten Artikel „Jutta Ditfurth, die Schreckschraube der Antifa“ anzuschauen. Also nur, wenn man sich das Elend wirklich antun will.

Und damit wären wir bei Jutta Ditfurth. Auf ihrer Facebookseite nimmt sie kein Blatt vor den Mund und schreibt sehr aktiv gegen die Demos.

Die neurechten „Friedens“demos sind eine Kriegserklärung gegen jüdische Menschen, Aufklärung und Humanismus

 

Viele schäumen vor Wut, schicken Morddrohungen, sexistische Schmähungen usw., weil ich in einigen Beiträgen erklärt habe (mit Quellen), warum hinter denen, die zu sog. „Friedensdemos“ aufrufen, in Wirklichkeit neurechte Verschwörungstheoretiker und Antisemiten stehen.

Ich mach nochmal einen letzten Versuch für diejenigen, die sich selbst als „Linke“ verstehen, aber sagen, sie teilen die „Argumente“ der neurechten Demos für den Frieden, denn das sei doch nichts Rechtes.

 

Das zentrale Argument des Organisators der sog. Friedensdemos ist ein absolut hasserfülltes: dass in den letzten 100 Jahren an allen großen Problemen und ausdrücklich an ALLEN Kriegen auf der Welt die Federal Reserve Bank der USA schuld gewesen ist. (Originalzitate von Lars Mährholz usw. waren ja auf meine fb-Seite). Diese ungeheuerliche Aussage entlastet Nazi-Deutschland vom Zweiten Weltkrieg und auch für die Vernichtung der deutschen und europäischen Juden sind die USA bzw eine US-Bank verantwortlich. Nazi-Deutschland wird entlastet.

 

Das ist Geschichtsrevisionismus und eine unglaublich brutale Verharmlosung der Shoa.

 

Von wegen „Frieden“! Eine Kriegserklärung gegen jüdische Menschen, gegen alle Aufklärung, gegen Humanismus.

Ich sage Euch ehrlich, ich halte viel von Jutta Ditfurth. Und in dem Zusammenhang stimme ich ihr voll bei.

Sind die Montagsdemos also ein Sammelbecken von Nazis, Antisemiten und Verschwörungstheoretikern? Es fällt schwer, da eine konkrete Antwort zu finden. Wenn ich mir die Organisatoren und Sympathisanten anschaue, dann gruselt es mich. Eine Demo für Frieden, deren Vorlage ist, dass die FED Schuld an allen ist, da kann ich gerne drauf verzichten. Anderseits wird es vermutlich auch einige wirkliche Friedensaktivisten geben, die sich allerdings mal fragen sollten, vor welchen Karren sie sich spannen lassen.

Ich habe selber noch keine von diesem Demos live erlebt, werde es aber vermutlich am Montag in München machen. Darüber gibt es dann hier wieder einen Bericht.

Die Gnade der späten Geburt

Ich wollt Euch ja ab und an auch etwas aus dem Irrenhaus Facebook berichten, für die, die dort keinen Account haben und die das also gar nicht interessiert. 😀

Dort werden täglich zig Bilder rumgereicht, und jeder Depp kann seinen geistigen Dünnpfiff auf Bilder malen und als tolle Meinung ausgeben. Besonder widert mich dabei sowas an:

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„Ich bin nach 1945 geboren und ich schulde der Welt einen Scheissdreck.“

So etwas kommt dann aus Gruppen, die sich „Deutsche Patrioten“ nennen, und jeder Dummbeutel, der den Kopf nur zum Essen reinschieben hat, muss das teilen. Natürlich gebe ich keinem der jungen Leute heute die Schuld an den deutschen Verbrechen von vor 1945. Aber die, die das posten, leiden doch unter extremer Denkfaulheut.

Ich sage da inzwischen klipp und klar:

Manchmal lasse ich mich aber doch in die Niederungen des nicht vorhandenen menschlichen Verstandes herab und diskutiere sowas mit einigen Personen aus. Dabei entstand dieser folgende Dialog. Achtet mal darauf, wie er um eine konkrete Antwort rumeiert.

Ich: Ich bin auch nach ’45 geboren und finde solche Sprüche dämlich. Ich schulde der Welt meine Pflicht, alles dafür zu tun, das so etwas wie unter den deutschen Faschisten nie wieder passiert!

Er: Faschisten sind überall, und wenn schon, dann trage dafür bei das das nirgends passiert und nicht nur in Deutschland. Und Sorge dafür das ein stolzer deutscher nicht als Nazi betitelt wird denn das sind wir nicht, zumindest nicht jeder stolze deutsche muss zwangsläufig ein Nazi oder überhaupt rechts sein. PUNKT

Ich: Ich scheiß drauf, stolz auf Deutschland zu sein. Aber ich lebe hier, also kehre ich erstmal den Dreck im eigenen Land auf. Um die Faschisten in den anderen Ländern kümmern sich die aufrechten Menschen in den anderen Ländern.

Er: Aber unser Geld geht doch auch dort hin, du solltest globaler denken. EU zB gehört

Ich: Wir kriegen auch genügend von denen. Ich sag nur: Exportüberschuss. Außerdem hat das nichts damit zu tun, das wir dafür sorgen müssen, das es nie wieder Faschismus gibt und nie wieder von deutschen Boden Krieg ausgeht.

Er: Da hast recht aber globaler Bitte. Ich bin froh und stolz darauf deutsch zu sein und bin kein rechter. Und das in der Politik etwas falsch läuft ist auch klar. Du hast deine Meinung ich meine. Einige meiner besten Freunde sind ausländischer Herkunft, man fast es.

Ich: Ich wüsste nicht warum ich stolz darauf sein soll. Ich habe nicht dafür getan, ich wurde in dieses Land reingeboren. Stolz bin ich auf Dinge, die ich selber vollbracht habe.

Er: Ach arbeitest du denn nicht? Ich bin nicht stolz auf die Geschichte vor meiner Geburt aber seitdem ich lebe sind in Deutschland große Dinge geschehen auf die ein jeder deutsch das recht hat stolz zu sein. Mag sein das du das anders siehst. Ich muss mir nicht vorwerfen lassen das sei so nicht rechtens

Ich: Was hat das damit zu tun, dass ich arbeite? Seit ich geboren bin, sind auch viele schreckliche Dinge geschehen, Menschen die durch Nazis ermordet wurden, NSU, Deutschlands Beteiligung an Kriegen, es gibt vieles, wofür ich mich schämen müsste.

Er: Tu das deine Entscheidung, tut mir leid für dich. Ich habe meine Meinung. Und die kriege die in meinem Leben waren was? Wirtschaftskriege? Hatte das nicht auch was mit Falscher Politik zu tu?

Ich: Ja und weiter? Welche Konsequenz ziehst Du für Dich daraus?

Er: Lol als ob das alleine von Deutschland beschlossen wurde?

Ich: Ist das die Antwort auf meine Frage?

Er: Du denkst glaube ich in kleinerem Maß als ich Und zu Negativ

Ich: Ok, dann frage ich Dich mal konkret: Was tust Du, damit Faschisten / Nazis in diesem Land nie wieder an die Macht kommen, damit in Deutschland nie wieder Konzentrationslager entstehen und damit von deutschen Boden nie wieder Krieg ausgeht?

Er: Ok, es liegt nicht in der Hand des einzelnen,. Aber wenn es nach mir geht sollte man grade die die hier in Deutschland rumspinnen, egal welche Rasse Herkunft oder Religion zusammen sperren, solange bis sie sich gelernt haben zu anzupassen. Kriege sind politischer Natur meist als Klein Bürger kann ich ja nur wählen gehen, aber groß was ändern nicht wirklich außer mich für schwächere einsetzten wenn ich Unrecht sehe,.

Ich: Die Frage war nicht, was man machen sollte, sondern was Du machst. Und Du machst nichts. Du eierst um die Antwort rum und schiebst die Verantwortung auf andere, auf ein dubioses „man sollte“. Mit der Ausrede „man kann ja nur wählen gehen“ stielst Du Dich aus der Verantwortung. Man kann viel mehr machen. Selber politisch aktiv werden, sich in Antifaschistischen Initiativen einbringen, und ganz besonders sich der Verantwortung bewusst sein, die jeder von uns trägt, damit das von vor 1945 nie wieder passiert. Mit diesen Bildchen „Ich schulde der Welt einen Scheiß“ zeigt man aber nur, das es einem scheißegal ist, was passiert ist und das man auch wieder zuschauen würde, wenn es passiert, solange es einen nicht selber betrifft. Das ist verantwortungslos und dumm. Stattdessen zeigst Du, wie stolz Du bist, Deutscher zu sein und wie ach so toll die Deutschen ja sind.

Er: Verkrich dich in der alt schuld Deutschlands wir leben jetzt und heute, und in Deutschland. Wird es nur wieder passieren wenn die falschen gewählt werden, ich bin der kleine man der jeden tag arbeiten geht für mich, unterstütze den Staat der Staat nimmt das, und was sagtest du so schön „erst im eigenem Land kehren“ ich denke in Deutschland gibt es auch mittlerweile sehr viele Menschen die Hilfe brauchen aber nein, erst überall anders, und was machst du so. Im was dagegen zu tun ausser schlau reden. Wenn du dich so dafür einsetzt, dann lass los

Ich: Ich engagiere mich politisch, ich nehme an Aktionen gegen Nazis teil, ich berichte darüber, ich diskutiere mit Menschen wie mit Dir. Ach, und weil Du ja extra mal wieder darauf hinweisen musstest: Ich gehe auch arbeiten.

Na ja, eigentlich fällt mir dazu nur noch eines ein:

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A bisserl Musi (1)

In meinem Blog wird es auch unregelmäßig Musik geben, die ich besonders mag und gut finde. Das wird wahrscheinlich keine bayrische Volksmusi sein. 😉

Los geht es mit diesen tollen Song der Schweizer Band Yello, die ja sowieso musikalisch eine Klasse für sich sind.

„Ich möchte elektronischen Instrumenten Leben einhauchen. Ich möchte die Seele der Maschine zum Ausdruck bringen, anstatt ihr Sklave zu sein.“ – Boris Blank: im Interview mit Paul Tingen (1994)

Der bekannteste Song von Yello dürfte aber „The Race“ sein. (Bei YouTube anschauen, das lohnt immer wieder!)

Früher war alles besser

Über kaum etwas streiten sich die Leute heute mehr, als welches Smartphone besser ist. Besonders gerne auch im heise-Forum.

Da kommen dann solche Kommentare:

Aber genau das ist doch Kapitalismus. Möglichst viel unnützen Kram an Leute verkaufen, die diese Dinge eigentlich nicht brauchen…

Was fällt mir als arroganten Besserwisser dazu ein?

Genau, im Sozialismus gäbe es dann ein Flachkomputer vom VEB ROBOTRON in Dresden, mit einer Auflösung von 80×40 Zeichen für 4500 Mark. Und aller 20 Jahre wird ein neues Modell vorgestellt.

 

Da bräuchte man sich nicht streiten, was besser wäre.

 

Außer denen, die sich das neuste Westzeug im Intershop holen.

Popcorn!

Feindbild Roma und Sinti

Die taz zitieret:

In der Beliebtheit der einzelnen Gruppen rangierten Sinti und Roma hinter Gruppen wie Juden und Asylbewerbern, sagte der Historiker und Vorurteilsforscher Wolfgang Benz in Berlin. Benz stellte die ersten Ergebnisse einer großen Studie über Einstellungen gegenüber Sinti und Roma vor, die im September präsentiert werden soll.

Das zum einen. Aber:

Benz sagte, es beruhige ihn, dass die überwiegende Mehrheit der Befragten (91 Prozent) Integrationsangebote für einen guten Vorschlag für ein besseres Zusammenleben mit Sinti und Roma hält.

Bitte was???

Sind die Integrationsangebote denn wenigstens für Deutsche gedacht? Denn da mangelt es meiner Meinung nach am meisten am so genannten Integrationswillen.

Antisemitismus stinkt! Immer!

Aus dem Irrenhaus Facebook. Und alles von der selben Person.

„Die Juden haben die Weltmacht.“

„Der Boss von CocaCola ist Jude.“

„Deutschland muss immer noch an Israel zahlen.“

„In Nahost gibt es nur Frieden, wenn ein Volk verschwindet.“

„Mich stören die Juden nicht. Nur die Zionisten.“

„Ich habe selber jüdische Wurzeln, ich kann gar nicht antisemitisch sein.“

Zum Kotzen!

„Der Antisemitismus ist dem Nationalismus blutsverwandt und dessen bester Alliierter.“ – Carl von Ossietzky, „Antisemiten“, in: Die Weltbühne, 19. Juli 1932, S. 88