Die Koranauslegungen des Michael Stürzenberger

Michael Stürzenberger ist wieder in München mit seiner Kleinstpartei „Die Freiheit“ unterwegs, um Unterschriften für eine Volksbefragung zum geplanten Islamzentrum in München zu sammeln. Im ersten Anlauf scheiterte er kläglich nach drei Jahren Sammelns wegen Falschangaben.

Nun versucht er es wieder. Was ziemlich sinnlos ist, steht das geplante Islamzentrum doch sowieso vorm Scheitern. Das hält Stürzenberger nicht davon ab, seine Tour weiter zu verfolgen. Bei seinen Reden verweist er auch immer wieder darauf hin, dass der Iman Benjamin Idriz vom Verfassungsschutz beobachtet wurde. Die Frage, warum er, Stürzenberger, denn auch vom Verfassungsschutz beobachtet wurde, ignoriert er.

Dabei glänzen seine Mitstreiter immer mit großer Freundlichkeit…

Am Rande seiner Standkundgebungen kommt es immer wieder zu hitzigen Diskussionen, vor allem durch junge Muslime. Ein beliebtes Argument bei ihnen ist, dass Stürzenbergers Koran(übersetzung) falsch ist. Ich halte das jedoch für ein völlig falsches Argument. Es gibt sicher verschiedene Übersetzungen des Korans, inhaltlich sind sie jedoch normalerweise gleich. So steht in der einen Übersetzung „Hackt ihnen die Köpfe ab“, in der anderen „Schlagt sie in den Nacken“, gemeint ist bei beiden jedoch das Gleiche. Kopf ab! Wobei man dabei auch nicht außer Acht lassen darf, dass in den Zeiten, als der Koran niedergeschrieben wurde, die Sitten allgemein wesentlich rauer waren. Da gab es keine Haager Landkriegsordnung, da wurden keine Gefangenen gemacht (Und wenn doch, dann um sie zu versklaven.), da wurde einfach alles abgestochen, was man für den Feind hielt. Aus heutiger Sicht sicher barbarisch, aber so war es nun mal. Heute sind Kriege oft auch nicht humaner. Was ein Krieg sowieso nie ist.

Was Stürzenberger aber ganz massiv macht, ist Koranzitate aus ihrem Zusammenhang zu reisen. Teilweise werden sogar einzelne Verse verkürzt wiedergegeben. Ich will das im Folgenden an Hand zweier Beispiele verdeutlichen.

Stürzenberger sagt gerne, im Koran steht „…daß sie allesamt getötet oder gekreuzigt werden, oder daß ihnen Hände und Füße wechselseitig abgehackt werden (sollen)“

Das steht da tatsächlich, nämlich in Sure 5, Vers 33.

Sieht man das allerdings im Kontext, wirkt es schon etwas anders.

Sure 5

33. Der Lohn derjenigen, die Krieg führen gegen Allah und Seinen Gesandten und sich bemühen, auf der Erde Unheil zu stiften, ist indessen (der), daß sie allesamt getötet oder gekreuzigt werden, oder daß ihnen Hände und Füße wechselseitig abgehackt werden, oder daß sie aus dem Land verbannt werden. Das ist für sie eine Schande im Diesseits, und im Jenseits gibt es für sie gewaltige Strafe,

34. – außer denjenigen, die bereuen, bevor ihr Macht über sie habt. So wisset, daß Allah Allvergebend und Barmherzig ist.

Stürzenberger zitiert hier immer nur das fett markierte, dass es dabei aber um die geht, die „auf der Erde Unheil stiften“, ignoriert er. Genauso wie er Vers 34 ignoriert, der besagt, man solle dies aus Vers 33 nicht mehr tun, wenn die, die das Unheil brachten, innehalten, bevor sie in die Hände der Muslime fallen.

Noch deutlicher wird das an einem Zitat aus Sure 2, Vers 191. Stürzenberger zitiert immer nur: „Und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft“.

Gesamt lautet der Text so:

Sure 2

190. Und kämpft auf Allahs Weg gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch übertretet nicht! Allah liebt nicht die Übertreter.

191. Und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben, denn Verfolgung ist schlimmer als Töten! Kämpft jedoch nicht gegen sie bei der geschützten Gebetsstätte, bis sie dort (zuerst) gegen euch kämpfen. Wenn sie aber (dort) gegen euch kämpfen, dann tötet sie. Solcherart ist der Lohn der Ungläubigen.

192. Wenn sie jedoch aufhören, so ist Allah Allvergebend und Barmherzig.

193. Und kämpft gegen sie, bis es keine Verfolgung mehr gibt und die Religion (allein) Allahs ist. Wenn sie jedoch aufhören, dann darf es kein feindseliges Vorgehen geben außer gegen die Ungerechten.

Vers 190 sagt, man solle gegen die kämpfen, die gegen einen selber kämpfen. Das kann man durchaus als Aufforderung zur Verteidigung sehen. Desweiteren besagt sie, man solle „nicht übertreten“, was in meinen Augen durchaus als Aufruf zur Mäßigung verstanden werden kann. Vers 191 sagt dann, man solle die Feinde von da vertreiben, von wo man selber vorher vertrieben wurde. Vers 192 sagt, wenn die Feinde aufhören zu kämpfen, ist Allah allvergebend und barmherzig. Also solle man sie nicht mehr töten. Obwohl Stürzenberger sagt, das gilt nur, wenn sie den islamischen Glauben angenommen haben, so sagt doch Vers 193, dass man nicht mehr feindselig werden darf, wenn sie nicht mehr kämpfen.

Das ist jetzt meine persönliche Interpretation. Dass diese bei anderen Menschen anders ausfällt, das zeigt schon mal die Tatsache, dass es auch im Islam verschiedene Strömungen gibt. Der Islam ist, genauso wie das Christentum, eine missionarische Religion. (Im Gegenteil zum Judentum.) Insofern ist es natürlich erstmal verständlich, dass auch der Koran das missionieren fordert. Und wie schon weiter oben erwähnt, in kriegerischen Handlungen war man damals nicht zimperlich.

Gerade an den verschiedenen muslimischen Strömungen und Glaubensgemeinschaften sieht man, dass nicht jeder Muslim so durchgeknallt tickt wie der Islamische Staat. Für Stürzenberger ist jedoch jeder Muslim ein potentieller Terrorist. Dabei halten sich nur wenige Muslime überhaupt streng an die Worte des Korans sondern wollen einfach ihr friedliches Leben leben. Und flüchten vor den radikalen Islamisten,

PS: Die Koranzitate stammen aus der App „MuslimPro“.

Josef A. Preiselbauer

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