G20: Welcome To Hell (6. Juli)

Es wurde bereits viel zu der gestrigen Eskalation geschrieben. Meine persönliche Meinung: Die Polizei hat das Gewaltmonopol, und das muss sie mit Augenmaß einsetzen. Genau das hat sie gestern nicht getan, sondern das Ganze bewusst in eine Eskalation getrieben. Die Polizei weiß, welche „Knöpfe“ sie drücken muss, damit es kracht. Zurückhaltung von Seiten der Polizei war nirgends zu entdecken.

Auf dem Fischmarkt fand drei Stunden eine friedliche Kundgebung statt. Anschließend sammelte man sich zur Demonstration. Auf der der ersten Etappe sollte es Richtung Landsungsbrücken gehen. Bereits nach 200 Metern war Schluss, denn die Polizei ließ niemanden weiter. Die Forderung war, die Vermummungen im Schwarzen Block zu entfernen. Es war klar, dass der Forderung nicht nachgekommen werden wird.

Ich stand mit vielen Kollegen zwischen Demospitze und Polizei mit Wasserwerfern. An der Straße war links eine 1,5 Meter hohe Mauer mit Geländer, oben konnte man stehen. Auf der anderen Seite geschlossene Bebauung. Vorne Polizei, hinten zigtausende Menschen. Es gab dort keinerlei Fluchtweg. Diese Stelle wurde bewusst ausgesucht. Nach fast eine Stunde Stillstand ging die Polizei mit Wasserwerfern, Pfefferspray und Knüppeln in die Demo rein und trieb bis zum Fischmarkt die Menschen auseinander. Das war absolut unverhältnismäßig. Menschen sind in Panik die Mauer hochgeklettert.

Zwar war alles auseinandergetrieben, doch die Menschen sammelten sich wieder. So standen tausende auf der Demostrecke, die Polizei ging und fuhr langsam in Richtung Landungsbrücken zurück. Mehrmals kam es zu Wasserwerfereinsätzen.

Kurz vor den Landungsbrücken konnte durch das Legal-Team (Anwälte) eine neue Demonstration organisiert werden, die dann über die Reeperbahn Richtung Rote Flora zog. Dort eskalierte die Lage zum zweiten Mal, als die Polizei mit Wasserwerfern und Räumpanzern erst kleine Brände auf der Straße löschte und anschließend die stehende Demonstration wieder auseinandertrieb.

Ich bin der Meinung, es wurde an dem Tag bewusst auf Eskalation ausgelegt. Schon dass es für die Demo keine Auflagen gab, war verdächtig. Man wollte die Bilder, die man schließlich auch bekam.

Josef A. Preiselbauer

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