Er sagt, er meint es ernst

Norbert Bischoff, ein Liedermacher aus der DDR, nahm sich am 9. November 1993 im Alter von nur 34 Jahren das Leben. Er schrieb: „Das rechte Datum zu verschwinden für einen Deutschen“.

Von ihm stammt das Lied „Er sagt, er meint es ernst“. Veröffentlich noch in der DDR. Es ist aber heute aktueller den je.

Er sagt, er meint es ernst

Ich sitz in der Kneipe, trink ein Bier und döse vor mich hin
Da kommt ein Typ an meinen Tisch und fragt, ob ich alleine bin
Und ehe ich mich versehe sitzt er schon und grinst mich dreckig an
Und meint, dass ich für seine Kehle ihm ein Bier ausgeben kann
Ich sag ihm, diese Art von Überfällen find ich nicht gerade toll
Und ich bin auch nicht Rockefeller, verdammt ich weiß nicht was das soll
Ich soll mich nicht so haben, meint er darauf, war ja nur ein Spaß
Und außerdem, wo bleibt mein Mitgefühl als Mensch, ey wenigstens ein Glas
Na gut, ich lass mich überreden, und komm mir vor wie überfahrn
Ich hab doch keinen Bock zu streiten, mit so ’nem aufgeblasenen Hahn

Doch da beim Trinken seh ich ein Hakenkreuz auf seiner Hand
So groß wie einen Fingernagel, als Tätowierung eingebrannt
Und ich frage leicht erschrocken, ist das etwa auch ein Scherz?
Doch da grinst er wieder dreckig und sagt, nein, das meint er völlig ernst

Und wie er so ins Reden kommt, schwärmt er wie es bei Adolf war
Noch heute müsste man vergasen die Juden- und Zigeunerschar
Und all die Schwulen und Perversen sind dekadent und müssen weg
Und Intellektuelle quatschen bloß, der Mensch hat aber nur den Zweck
Sich zu beherrschen und zu fügen, wie die Natur das eben will
Und wie als Deutsche müssen siegen und werden unseren Kampf erfüllen

Ich überleg und denk, mein Gott, was kannst Du tun, und stell ihm ein paar Fallen
Was wär, wenn die Chinesen kämen um sich Europa einzukrallen
Die sind doch noch viel mehr als wir und bräuchten vielleicht Lebensraum
Doch er meint die sind viel zu blöd, das würden die sich niemals traun
Nur noch die Rechten merken langsam, woher der Wind von Morgen weht
Und was bei denen heut noch schief läuft, kriegen wir wieder hingedreht
Ja wir sind schon ganz schön Viele und warten nur noch auf den Tag
An dem wir uns dann alle finden, denn nur zusammen sind wir stark

Ich sehe mich um und fühl mich wie ein Stein der sich nicht rühren wird
Sekunden werden Ewigkeit, Gedanken zügeln mich, verwirrt
Such ich nach meinen Worten, nur die Wut hält mich noch fest,
und will nicht das sich mein Verstand den Wahnsinn hier gefallen lässt
Und er sitzt einfach da, als sei es das normalste von der Welt
Mit Nazisprüchen zu posieren, und ich fühl mich von Angst umstellt
Auch diese immer ewig gleiche Furcht, schon seit der Kinderzeit
Vor prügelfesten Männerfäusten als letztes Argument im Streit
Doch plötzlich bricht es aus mir heraus, was er sich denkt, wo er hier sei
Und wenn er nicht die Schnauze hält, dann ruf ich gleich die Polizei

Da sagt er, na versuch‘s doch mal, du feiger Hund, ob du wen findst
Die Bullen haben doch meistens Schiss, wenn die nicht gerade im Rudel sind
Dann steht er auf und schmeißt den Stuhl und stellt sich neben mich wie ein Pfau
Du kotzt mich an, Leck mich am Arsch, du abgefuckte linke Sau

Dabei zuckt‘s mir durch den Schädel, und ich werde totenbleich
Großdeutschland bleib mir fern für immer, behüt uns Gott vorm Vierten Reich

Josef A. Preiselbauer

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