Pulse of Europe in München

Heute habe ich mir mal in München das „Pulse of Europe“ angeschaut. Diese Treffen, mit vielen Europa- und ein paar Nationalstaatsfahnen ist ja das neue Highlight unter den basisdemokratischen Bewegungen.

Die Punkte auf der Webseite, um was es geht, sind schöne Allgemeinplätze, mit denen sich so ziemlich jeder identifizieren kann. Und die Aussage „Die Vielfalt innerhalb Europas ist großartig. Sie zu erhalten und regionale und nationale Identitäten zu wahren, muss europäisches Programm sein. Gleichzeitig verbindet uns Europäer so viel. Vielfalt und Gemeinsamkeit sind kein Widerspruch, und niemand muss sich zwischen regionaler, nationaler und europäischer Identität entscheiden.“ (Hervorhebung von mir) macht bestimmt auch so manchen rechtsradikalen Identitären Freude. Aber ich will ja niemanden von vorneherein Schlechtes unterstellen.

In München versammelten sich bei strahlenden Sonnenschein ca. 2000 Menschen auf dem Max-Joseph-Platz und wedelten, wie oben erwähnt, mit vielen Europafahnen und denen vereinzelner Nationalstaaten, wie z.B. Frankreich. Zu Anfang wurde eine Schweigeminute für die Opfer des islamistischen Terroranschlages in London, zu dem sich der IS bekannte (Aussagen des Redners!), eine Schweigeminute abgehalten. Es gab ein offenes Mikro, bei dem einige jeweils 3 Minuten reden konnten. Da ging es von „mehr Demokratie in Europa“ bis zu persönlichen Schicksalen, wie der Mann, dessen einer Großvater Deutscher war, der andere Franzose, und der sich als der fleischgewordene Traum von Europa fühlte. Inhaltlich gab es letztlich an den Beiträgen nichts auszusetzen. Wie man konkret etwas ändern will, dazu gab es praktisch keine Aussagen, so wie auch auf der Webseite von PoE.

Man versuchte sich dann noch in einem winkenden Flashmob und am Ende liefen alle singend im Kreis. Die Menschen selber kamen, so mein Eindruck, aus der Mitte der Gesellschaft, ein großes Familienhappening. Stargast war wohl der ehemalige deutsche Finanzminister, Theo Waigel, der vom Redner als Mr. Europa bezeichnet wurde.

Ein Kollege fasste es treffend zusammen: „Pulse of Ottos“.

Persönlich will ich da den Menschen pauschal erstmal gute Absichten unterstellen. Trotzdem sehe ich das in einigen Punkten durchaus kritisch. Europa ist letztlich auch nur ein größeres Format von Nationalstaat, Europa schottet sich ab und verbarrikadiert seine Grenzen. Die Behauptung, Europa ist seit 70 Jahren ein Garant für Frieden, ist schlichtweg falsch. Zwar schlagen sich die Nationalstaaten der EU untereinander nicht mehr, aber es sei an Jugoslawien erinnert, an den Zypernkonflikt, und nicht zuletzt sind die Soldaten aus europäischen Ländern in Afghanistan und vielen anderen Kriegen weltweit beteiligt.

Der Initiator der Kundgebungen, der Anwalt Daniel Röder, erklärte im Gespräch mit n-tv.de: „Wichtig ist, dass es nur der EU – und nicht den einzelnen Nationalstaaten – gelingen kann, die großen Probleme wie Klimawandel, Armutsbekämpfung und Migrationsströme anzugehen.“ Interessanterweise ist dieses Zitat jetzt so nicht mehr in dem Interview enthalten. Stattdessen steht da jetzt: „Die Mitgliedstaaten müssen sich anders zu Europa zu verhalten. Sie müssen auch mal nationale Interessen zurückstellen und solidarischer werden. Dann kann die EU viele Themen wie beispielsweise die Flüchtlingskrise bewältigen.“

Nun ja. Pulse of Ottos.

(UPDATE: Das Zitat wurde doch nicht ausgetauscht, das war ein Fehler meinerseits.)

Demo gegen Abschiebungen auf dem Flughafen München

Auf dem Flughafen München sollten heue wieder mehrere Menschen in das Kriegsgebiet Afghanistan abgeschoben werden. Entgegen den Aussagen des deutschen Innenministers besteht dort für die Menschen permanent Lebensgefahr. Monatlich sterben zahlreiche Zivilist_innen bei Bombenanschlägen.

Gegen diese menschenverachtende Politik und die Mitarbeit des Flughafen sowie der entsprechenden Fluglinien, fand auf dem Flughafen eine Demonstration mit 300-400 Teilnehmer_innen statt. Unter ihnen auch viele Refugees. Im Bereich des Terminal 1 startete die Auftaktkundgebung mit verschiedenen Redebeiträgen. Obwohl Fluggäste nicht behindert wurden, drängelte die Polizei die Menschen immer wieder zusammen. Anschließend lief eine Demonstration durch mehrere Bereiche des Flughafengebäudes. Dabei wurden laut Parolen gerufen. Entgegen den Auflagen der Polizei, dass an der Demonstration nur 60 Menschen teilnehmen dürfen, wurden es doch mehr Teilnehmer_innen.

Am Versammlungsort im Terminal gab es dann eine weitere Kundgebung, bevor am Ende alle Teilnehmer_innen laut in das zentrale Forum zwischen den Terminalgebäuden gingen. Dort wurde nach knapp zwei Stunden die Demonstration beendet.

Gegen 21:40 ist der Abschiebeflieger gestartet…

Das AfD-Strategiepaier 2017

Wer es noch nicht hat, bitte, hier könnt ihr es runterladen und studieren:

Das AfD-Strategiepapier 2017

  • Die AfD sieht sich in diesem Papier als „Protestpartei“ (Seite 5).
  • „Soziale Gerechtigkeit ist für die AfD untrennbar damit verknüpft, dass eine massenhafte Einwanderung und die Begeisterung des rot-grünen Mainstreams für Multikulti unweigerlich das Äquivalenzprinzip infrage stellt, dass die Basis des sozialen rechtsstaats ist…“ (Seite 7)
  • „Die ‚Antifa‘ und andere gewaltbereite Gruppen erschweren und verteuern den Wahlkampf der AfD und ihre Parteiarbeit“ (Seite 20)
  • „…die professionellen, staatlich alimentierten Störer von der sogenannen ‚Antifa'“ (Seite 20)

Milo Yiannopoulos

Gerd Buurmann hat in seinem Blog Tapfer im Nirgendwo, welches ich gerne lese, einen Artikel über Milo Yiannopoulos veröffentlicht, in dem er ihn, sagen wir es ruhig mal so, lobt. Über Milo Yiannopoulos schreibt er:

Milo Yiannopoulos weiß, wovon er redet. Würde er erst einmal anfangen, sich im Sinne einer identitären Bewegung zu definieren, wäre eine schizophrene Identitätskrise vorprogrammiert. Er ist ein britischer, homosexueller, prakitizierender Katholik mit einem griechischen Vater und einer jüdischen Mutter, der in den Vereinigten Staaten von Amerika lebt. Wenn er sich selbst identifizieren muss, sagt er einfach: „Ich bin Amerikas gefährlichste Schwuchtel.“

Milo Yiannopoulos gehört zu der so genannten Alt-Right-Bewegung und ist einer der bekanntesten Autoren des rechten Blog „Breitbart“, welches schon durch so genannte Fake News aufgefallen ist.

Aus dem verlinkten Tagesschauartikel:

Bloomberg-Journalist Joshua Green, der sich intensiv mit „Breitbart News“ befasst hat: „Breitbart veröffentlicht viele Sachen, die rassistisch sind, antisemitisch, weit weit außerhalb der Grenzen, die in der US-Politik als akzeptabel angesehen werden.“

Der wohl entscheidende Kopf hinter Breitbart ist Stephen Bannon, inzwischen bekannt als Berater und politischer Chefstratege des aktuellen US-Präsidenten Donald Trump.

Aber weder um Bannon, noch um Trump, soll es hier gehen, sondern um Milo Yiannopoulos. Der (angeblich) jüdische britische, homosexuelle, prakitizierende Katholik. Bei sovielen Adjektiven denkt man doch, das muss ein vernünftiger Mensch sein. Warum eskalieren dann derart die Proteste gegen einen Vortrag von ihm an der US-Universität Berkeley?

Das die Proteste auf einem nicht mehr vertretbaren Level eskaliert sind, da gebe ich Gerd Buurmann von Tapfer im Nirgendwo sogar Recht. Aber was mich stört, ist seine eher positive Sichtweise auf Milo. Ich musste selber erst mal nachschauen, was Milo denn für ein Mensch ist, und was ich gefunden habe, lässt alle Sympathien für den Menschen erlöschen. Eigentlich würde es schon reichen, auf den Artikel „A Troll Is Born“ in der Jungle World zu verweisen. Da die Jungle World jedoch auch eine sehr polarisierende Zeitung ist, habe ich noch ein paar andere Seiten gesucht.

Die FAZ nennt ihn einen „Zeremonienmeister des Hasses“.

Die Welt des Milo Yiannopoulos, ein schwuler Katholik, ist so klar umgrenzt wie seine Feindbilder: Toleranz ist ein Zeichen von Schwäche, Gleichberechtigung Selbstbetrug, political correctness eine absurde Einschränkung der Meinungsfreiheit, der man allein mit größtmöglicher Provokation und viriler Manneskraft begegnen kann. (…) Schon damals bezeichnete er sich als „Kulturlibertären“ und „Fundamentalisten für die freie Rede“, der gegen die „autoritären“ Ideologien der „regressiven Linken“ kämpfte und immer häufiger durch Skandale von sich reden machte, weil er öffentlich gegen Frauenrechte eintrat.

Das schwule News-Portal Queer.de schreibt:

Der in Athen geborene Yiannopoulos hatte in Großbritannien eine Karriere in katholischen Medien gemacht und war etwa vor wenigen Jahren, damals noch recht brav und bieder, in Talkshows aufgetreten, um sich gegen eine Ehe-Öffnung für schwule und lesbische Paare auszusprechen.
Inzwischen ist er, nach einer Verwandlung zu einer andauernd mit krassen, hetzerischen Aussagen die öffentliche Aufmerksamkeit suchende, sich extrem schrill inszenierende „Schwuchtel“ (so die Eigenbezeichnung „Faggot“) zu einem Shooting-Star der Neurechten weltweit und besonders in den USA geworden, wo er für „Breitbart News“ schreibt und vor allem antifeministische und islamophobe Stimmungsmache betreibt. Auch über Lesben und Transgender machte er sich in einem vermeintlichen Kampf gegen „politische Korrektheit“ lustig.
(…)
Der „Guardian“ kommentierte dazu, in Wirklichkeit kämpfe er für das Recht, marginalisierte Gruppen derart online zu schikanieren und zu beschimpfen, dass sie sich zurückziehen und auf ihr Recht zur Meinungsäußerung verzichten.

Man kann die Proteste gegen Milo durchaus kritisieren. Aber ich persönlich halte diesen Menschen für ein Arschloch.

„Sachsen ist nur noch eine Schande“

Und Dresden besonders… Das Zitat, „Sachsen ist nur noch eine Schande“, stammt von einem Freund, der in Sachsen lebt. Ich selber schäme mich inzwischen, aus dieser eigentlich wunderschönen Stadt Dresden zu kommen. Was sich da gestern wieder vor der Frauenkirche abgespielt hat.

Drei aufrecht aufgestellte Busswracks sollen an Aleppo erinnern. Der Deutsch-Syrer Manaf Halbouni stellt damit ein Foto nach, auf dem zu sehen ist, wie in Aleppo Menschen drei Buswracks aufgestellt haben, um ein wenig Schutz vor Scharfschützen zu haben. Hier dazu ein Bericht des mdr: Buswracks vor der Frauenkirche erinnern an zerstörtes Aleppo

Und wie reagieren die Besorgten Bürger, oder sagen wir es ruhig mal, die Nazis von Pegida? Sie schreien, sie schimpfen, sie beleidigen, sie zeigen keinerlei Respekt und Anstand, sie ziehen das Augenmerk mit ihrem Hass wieder auf Dresden.

Der stellvertretende Ministerpräsident von Sachsen, Martin Dulig (SPD), hat das Gespräch gesucht.

Eine Diskussion mit den meisten Menschen war aber anscheinend nicht möglich. Wie man auch auf seiner Facebookseite sehen kann.

Auch im Internet brach der Hass mal wieder alle Dämme. Das veranlasste am Ende sogar den mdr zu diesem Statement unter dem oben erwähnten Artikel:

Hinweis: Kommentarfunktion geschlossen!

Da fast alle Kommentare, die hier bisher eingegangen sind, Hass, Hetze oder Diffamierungen enthalten, und damit gegen unsere Netiquette verstoßen, haben wir die Kommentarfunktion unter diesem Artikel geschlossen.

Warum aber dieser Hass gegen das Mahnmal? Dabei legen Besorgte Bürger doch gerne Wert darauf, dass den Menschen in Syrien direkt geholfen werden und der Krieg beendet werden muss. Sollte man also nicht eher erwarten, dass die es begrüßen, dass hier an diesen Krieg erinnert wird?

In den Dresdner Neusten Nachrichten fand ich das dazu treffende Zitat, welches diese Doppelmoral auf den Punkt bringt:

Die Haltung der „Patrioten“ ist klar: Nur Dresdner Tote zählen, wer anderswo stirbt, interessiert nicht.

Und die Polizei? Die lässt das Gepöbel zu. Außer… OMG! Linke stellen sich dagegen! Da hat die Polizei schnell eingegriffen.

In dem Artikel „Das Glück heraus fordern“ wird die Vorgehensweise der Polizei gegenüber den Schreihälsen zusammengefasst. Es gibt kein Vorgehen. Außer…

Kurz vor Ende der Veranstaltung wurde die Polizei, dann doch noch kurz aktiv. Eine Gruppe von jungen Menschen hielt der pöbelnden Menge ein Transparent mit der Aufschrift „Euer Rassismus kotzt uns an!“ entgegen. Innerhalb weniger Sekunden stürzten sich Polizeibeamte auf die Transpi-Träger*innen und drängten sie grob ab. „1,2, 3 danke Polizei!“ jubelte danach der Mob vor der Bühne.

Dresden, Du kotzt mich an!

Zum Gkück gibt auch ein paar schöne Tweets.

Fotos aus Kurdistan (Irak) von Enno Lenze

Der Journalist und Fotograf Enno Lenze hat bei Facebook 6 Fotos zur Bearbeitung unter einer CC-NC-BY-Lizenz freigegeben.

Link zur Facebookseite.

Wer von euch mag Foto-Postproduction? Hier sind mal sechs raw Bilder aus Kurdistan (Irak) aus den vergangenen Jahren. Ich kann halbwegs fotografieren, aber das wars dann auch. Wer also mal Lust hat zu zeigen, was man aus den Fotos raus holen kann: tut es 🙂
https://ennolenze.de/tmp/ennoset.zip
(Lizenz CC-NC-BY, wenn ihr eine andre braucht meldet euch einfach)

Die Bilder im Original als verkleinerte JPG:

Ich habe mich mal mit Lightroom rangesetzt und die Fotos nach meinem persönlichen Geschmack bearbeitet.

Das Programm der AfD

Ich habe mir mal das Programm der AfD angeschaut und im Folgenden ein paar Kommentare von mir dazu.

„Wir lehnen die „Vereinigten Staaten von Europa“ ebenso ab“

Ich finde die Idee eines VSE gut, aber nach amerikanischen Vorbild.

„Die volkswirtschaftlich nicht tragfähige und konfliktträchtige Masseneinwanderung ist dafür kein geeignetes Mittel“

Das ist auch nur ein verstecktes „Ausländer raus“.

„Die Alternative für Deutschland wendet sich gegen alle Versuche, Abtreibungen zu bagatellisieren, staatlicherseits zu fördern oder sie zu einem Menschenrecht zu erklären“

Abtreibung ist ein Frauenrecht! Niemand anderes hat da reinzureden.

„Die Alternative für Deutschland bekennt sich zur deutschen Leitkultur.“

Wie wird „deutsche Leitkultur“ definiert?

„Als zentrales Element deutscher Identität muss die deutsche Sprache dem Vorbild vieler anderer Länder folgend
als Staatssprache im Grundgesetz festgeschrieben werden.“

Amtssprachen innerhalb Deutschlands: Gesetzliche Regelungen auf gesamtstaatlicher Ebene

„Die AfD bekennt sich uneingeschränkt zur Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit. (…) Der Islam gehört aber nicht zu Deutschland.“

Widerspruch in sich!

„Imame, die in Deutschland predigen wollen, bedürfen der staatlichen Zulassung.“

Verstösst gegen die Religionsfreiheit.

„Eine einseitige Hervorhebung der Homo- und Transsexualität lehnen wir ebenso entschieden ab“

Gibt es auch nicht.

„Deutschland ist aufgrund seiner geografischen Lage, seiner Geschichte, Bevölkerung und dichten Besiedelung kein klassisches Einwanderungsland.“

Doch. Durch das germanische / deutsche Gebiet sind schon so viele Völker gezogen, dass hier nix mehr „reinrassig“ ist.

„Das Klima wandelt sich, solange die Erde existiert. Die Klimaschutzpolitik der Bundesregierung beruht auf bisher unbewiesenen hypothetischen Klimamodellen“

Das sehe ich völlig anders, den Punkt lehne ich so komplett ab, das auszudiskutieren fehlt mir hier der Platz. Menschgemachter Klimawandel ist eine Tatsache.

Das war es auf die Schnelle. Mit dem AfD-Programm ist es wie mit den Programmen anderer Parteien, manchen würde ich sofort zustimmen, anderes grundsätzlich ablehnen. Aber die AfD darf ja an Wahlen teilnehmen, also wird der Mehrheitswille der Wählerinnen und Wähler entscheiden.

Es gibt aber etwas, was die AfD für mich prinzipiell unwählbar macht, das ist ihre teilweise Nähe zu Neonazis und ihren Organisationen, das sind Antisemiten, Rassisten, Holocaustleugner, Nationalisten in ihren Reihen. Mit der AfD an der Macht befürchte ich ein neues 1933. Mögen sich auch die meisten in der AfD heute friedlich und demokratisch geben, das würde sich meiner Meinung nach schnell ändern.

Zum NPD-Nichtverbot

Ich habe es schon erwartet, die NPD wird auf Grund ihrer Bedeutungslosigkeit nicht verboten. Damit haben die Nazis jetzt wieder eine sichere Partei, da kann die Bedeutung dieser braunen Partei auch wieder steigen…

Prinzipiell bin ich bei Parteiverboten sehr gespalten. Verbietet man eine, folgen auch andere. Die BRD hat die KPD 1956 schnell verbieten lassen. Allerdings bräuchten Nazis wohl in diesem Staat nicht eine solche Verfolgung und Berufsverbote befürchten, wie es den Kommunisten widerfahren ist.

Zwei Kommentare zu dem Urteil:

Versagt vor der Geschichte

Zum NPD-Verbotsurteil

An allen Gedenktagen an die Opfer des NS-Regimes, so sicher auch am bevorstehenden 27. Januar, werden von den politisch Verantwortlichen in Deutschland Reden gehalten in denen man die Verbrechen des deutschen Faschismus benennt und ein „Nie wieder!“ verspricht.

Aber wenn es darauf ankommt die Konsequenzen aus den Millionen Opfern dieses verbrecherischen Regimes zu ziehen und zwar die allereinfachste und naheliegendste, nämlich dass die dafür verantwortlichen politischen Kräfte nie Gelegenheit erhalten dürfen einen erneuten Anlauf zur Errichtung eines ähnlichen menschenfeindlichen Regimes zu errichten, wird versagt.

Es wird aber nicht einfach aus Unvermögen, sondern, wenn man das Anti-Verbots- Trommelfeuer der letzten Monate in Politik und Medien betrachtet, es wird vorsätzlich versagt.
Eine neo-nationalsozialistische Partei soll es in Deutschland geben dürfen, das ist die Quintessenz all dieser Aktivitäten.

Zu den historischen Verbrechen des deutschen Faschismus gehören auch die knapp 200 Toten seit 1990 und die rassistischen Mobilisierungen der letzten zwei Jahre bei denen die NPD eine wesentliche Rolle gespielt hat. Sie hat Strukturen, Ideologie und hasserfüllte Parolen zur Verfügung gestellt, was sogar noch aus Steuermitteln finanziert wird. Das macht deutlich, dass von der NPD Gefahr ausgeht unabhängig davon, ob sie in Parlamenten sitzt oder nicht.

Außerdem wurde vorsätzlich darauf verzichtet, dem völkischen Nationalismus wie er auch durch die AfD vertreten wird, einen Riegel vorzuschieben.

Dazu sagen wir Nein: Faschismus gehört verboten, weil er keine Meinung ist, sondern ein Verbrechen. Die NPD hat, ebenso wie andere faschistische Gruppierungen keinen Anspruch auf Legalität.

An dieser Lehre der Geschichte halten wir fest.

Cornelia Kerth
Bundesvorsitzende VVN/BdA

Karlsruhe, 17.01.17

Quelle: http://vvn-bda.de/versagt-vor-der-geschichte-zum-npd-verbotsurteil/

Desweiteren möchte ich hier Florian Ritter zitieren. Ritter ist Landtagsabgeordneter der SPD in Bayern und Mitglied der VVN-BdA. Bei Facebook schrieb er:

Ich war immer ein Befürworter des Verbots der NPD. Organisationsverbote sind dann nützlich, wenn auf diese Weise Verfassungsfeinden nennenswert finanzielle Mittel oder organisatorische Grundlagen entzogen werden können. Als Begleitmaßnahme eines breiten gesellschaftlichen Engagements gegen rechtsradikale, antisemitische und rassistische Ideologien und deren Vertreter. Doch ein Verbot kann diese gesellschaftspolitische Auseinandersetzung nicht im Ansatz ersetzen. Wäre die NPD heute verboten worden, wäre nur noch ein Placebo-Effekt übrig: die militante rechte Szene hat sich längst ihre Ausweichorganisationen geschaffen, die sowohl im Auftreten, als auch in der Ideologie deutlich gewaltbereiter und deutlicher in der Tradition des historischen Nationalsozialismus stehen als die NPD.

Das heutige Urteil und vor allem die 15jährige Geschichte der Vorbereitung der Klage belegen mal wieder:
der beste Verfassungsschutz sind selbstbewusste Demokratinnen und Demokraten die sich für die Werte unserer Demokratie, für Menschenrechte und gegen Hass und Vorurteile einsetzen.

Pressemitteilung der Amadeu Antonio Stiftung: „Scheitern des Verbotsverfahrens zeigt fehlende Strategie im Umgang mit Rechtsextremismus – Zivilgesellschaftliche Initiativen fordern Umsetzung des Demokratiefördergesetzes“

2 Jahre Pegida München – Das letzte Aufgebot

Am Montag, den 16. Januar 2017, „feierte“ Pegida München 2 Jahre Aktivität in München. Für Münchnerinnen und Münchner ein Grund, dagegen zu protestieren.

Bereits vorher änderte Pegida München den ursprünglichen Plan einer Demonstration zu einer stationären Kundgebung auf dem Marienplatz. Antifaschist_innen organisierten dagegen eine Demonstration. Diese startete 18:30 Uhr am Odeonsplatz und führte durch die Innenstadt, über die Sonnenstraße, wo vor zwei Jahren noch über 2000 Pegidaanhänger liefen, bis zum Rindermarkt. Dort wurde die Demonstration aufgelöst und die circa 250 Teilnehmer_innen liefen zum Marienplatz, von dem aus schon von weitem ein lautes Pfeifkonzert zu hören war.

Pegida auf dem Marienplatz war, wie immer, rundherum eingegittert. Der Protest schallte ihnen von mehreren Seiten entgegen. Es waren mehrere hundert Gegendemonstrant_innen da, viele mit Plakaten. Die Teilnehmer_innen der vorherigen Demonstration hatten auch ihre Transparente dabei. Diese waren der Polizei aus unerfindlichen Gründen ein Dorn im Auge. Mehrfach wurden die Transparentträger_innen mit schönen, einschmeichelnden Worten von „Demokratie“ und „gegenseitigen Respekt“ aufgefordert, die Transparente herunterzunehmen. Da diese das nicht taten, rockte die Polizei mehrfach in den Gegenprotest hinein.

Der Gegenprotest blieb bis zum Ende von Pegida unverändert laut. Pegida selber konnte man nicht verstehen.

Das letzte Aufgebot. Was vor zwei Jahren mit über 2000 Pegidaanhängern angefangen hatte, war auf einen kümmerlichen Haufen von vielleicht 100 Teilnehmern zusammengeschrumpft. Schon in den vergangenen Monaten nahmen teilweise nur noch 70 Leute bei den Demonstrationen am Montag teil. Pegida München hatte sich in den letzten Monaten immer weiter in die extrem rechte Richtung radikalisiert. Nazis treten dort seit längerem offen auf. Identitäre Bewegung, NPD, Der III. Weg, verurteile Rechtsterroristen, Nazis als Redner und Organisatoren, alles Normalität bei Pegida München. So auch an diesem Montag. Es waren Fahnen vom III. Weg zu sehen, einige Teilnehmer trugen Westen mit der Aufschrift „Abschiebehhelfer“. Die Reden, Plakate und Transparente: Der übliche Unsinn, Hetze und Lügen. Pegida München ist inzwischen eine reine Naziveranstaltung. Kann weg.