Ich habe 5. November 2014 von dem Prozess gegen den so genannten „Reichsbürger“ Peter Putzhammer berichtet, heute gab es in Landshut die Berufungsverhandlung vor dem Landgericht.

Es hieß: „Der Linksanwalt plant einige Überraschungen im Sinne unserer Weiterbildung.“ Nun ja, von Bildung kann man bei den Reichsdeppen ja kaum reden, bei YouTube und Schule des Lebens gibt es halt keine anerkannten Abschlüsse.
Übrigens stellte sich auch heraus, dass einer der Justizangestellten mein Blog und da speziell den Bericht aus Erding gelesen hat. Fand ich gut.
Aber zum Prozessbericht. Das Ganze fing schon mit Verspätung an, weil Putzhammer es nicht schaffte, pünktlich zu erscheinen. Er hatte wieder seine Frau oder Freundin und die Tochter dabei. Vor mir war eine Reihe mit Zuschauern besetzt, die mussten die Bank aber dann räumen, weil die nicht für Zuschauer gedacht war. Somit bekam ich einen Logenplatz. Putzhammer sah ganz schön fertig aus, läuft wohl alles nicht so optimal im Wolkenkuckucksheim Deutsches Reich.
Die Verhandlung begann, es waren der Richter, zwei Schöffen und der Staatsanwalt da. (Und eine Protokollantin) Der Richter fragte Putzhammer mehrmals, ob er der Herr Putzhammer sei, der meinte aber den Richter über die Unterschiede zwischen juristischer und natürlicher Person aufklären zu müssen und legte dann seinen Reisepass auf die Anklagebank. Ansonsten lief Putzhammer die ganze Zeit nur rum. Dann fragte er den Richter noch, ob dieser für Menschen zuständig ist und verteilte anschließend Briefkuverts mit unbekannten Inhalt an den Richter und die Schöffen. Der Staatsanwalt bekam keines von ihn, Putzhammer erklärte, das muss der Staatsanwalt so wissen. Nach noch ein bisschen Rumgepose von ihm meinte er dann, er geht jetzt und verlies damit den Verhandlungssaal. Seine Fans klatschten ihm laut Beifall hinterher. Ein Zuschauer belehrte von hinten noch den Richter, dass das nicht „Herr Putzhammer“ sei, sondern der „Mensch Peter“.
Es folgte eine Pause, in der sich das Gericht zu Beratung zurückzog. Putzhammer selber war nicht sehr konsequent mit seinem Abgang und stand mit einigen seiner Fans im Vorraum herum. Währenddessen meinten einige der anwesenden Reichsdeppen die Justizangestellten und den Staatsanwalt zu belehren, wie das wirklich läuft in unserem Land. Sie glauben offensichtlich, nach 2 Stunden Studium bei YouTube wissen sie besser Bescheid als Leute, die Jura studiert haben. Dabei schafften sie es in ihrer Unfähigkeit sogar, die Justizangestellten als Polizisten zu bezeichnen. Nachdem die Reichsdeppen auch noch anfingen, dass das ein nationalsozialistisches Gericht ist, drohte der Staatsanwalt mit Anzeige.
Nach der Pause ging es weiter, Putzhammer war auch wieder da. War ja auch klar, er braucht die Bühne zur Selbstdarstellung. Wenn er jetzt allerdings noch was sagte, dann waren das kurze Sätze, die er laut Richtung Richter bellte, wie „Ich bin der höchste Souverän hier“. Dem Richter zeigte er ein Schriftstück, anscheinend eine seiner Ernennungsurkunden, und meinte dann, vom Richter berührt gilt als vom Richter angenommen. Typisches Reichsdeppenrechtsverständnis halt.
Inzwischen stand auch richtige Polizei im Gerichtssaal. Putzhammer wollte mal wieder gehen, das wurde ihm aber deutlich verwehrt. In der Diskussion mit der Polizei stellte sich auch seine Frau / Freundin mit dem Kind auf dem Arm neben ihn. Hierbei wurde auch deutlich, wie Putzhammer das Kind für seine Zwecke benutzte, eine ziemlich widerwärtige Tour von ihm.
Zwischendurch hat er auch mich persönlich mal angequatscht: „Dass Ihr auch schön so richtigen Mist schreibt!“. Aber gerne doch!
So ging das Theater eine ganze Weile weiter. Die Verhandlung sah so aus, dass der Richter vorne ruhig sein Ding durchzog, verschiedene Sachen verlas und ab und an eine Frage an Putzhammer richtete, die dieser ignorierte und stattdessen seine Sprüche abließ. Das sei ein Militärgericht, bla, bla, bla… Das reichsdepperische Publikum wurde auch immer lauter, vom Richter verstand man die ganze Zeit praktisch nichts. Der Richter forderte dann einen der Justizangestellten auf, von einer Person die Personalien aufzunehmen, darauf rief Putzhammer, alle sollen ihre Ausweise zeigen. Und dann natürlich auch der übliche Mist von hinten, der Richter solle seinen Amtsausweis zeigen, das UCC wird übergangen, die Alliierten werden übergangen, und wieder bla, bla, bla… Zwei Personen stachen dabei besonders raus.
Zwischendurch wollte Putzhammer auch wieder irgendwas von mir, aber egal. Der Richter sagte ihm im Fortgang der Verhandlung, er darf was sagen, er muss aber nicht, Putzhammer ignorierte das wie gehabt. Dann machte er tatsächlich ein Fenster auf und rief raus, dass er hier gefangen gehalten wird und raus will.
Zweimal meinte er zur Protokollarin und anschließend zu den Zuschauern, dass er die Verhandlung als geschlossen erklärte und die Staatskasse „oder wer auch immer“ die Kosten zu tragen habe. Und er erklärte dem Richter, dass dieser vollumfänglich privat haftet, die Schöffen ebenfalls und der Richter die Schöffen ins offene Messer laufen lassen würde.
Währenddessen zog der Richter in erstaunlicher Ruhe die Verhandlung weiter durch, zwischendurch verlas auch der Staatsanwalt die Anklage am Richtertisch. Putzhammer, der zwar (nun gezwungenermaßen) anwesend war, beteiligte sich weiterhin nicht an der Verhandlung, was aber auch sein Recht ist. Er kann ja auch die ganze Zeit als Angeklagter schweigen. Ach hätte er es doch mal nur getan…
Dann kam er auf die Idee, dass er eine rauchen will. Das tat er natürlich lauthals kund. Er fragte, wer eine Zigarette für ihn hat, die wurde ihm auch angeboten und sogar ein Feuerzeug. Nur mit viel Einsatz konnte ihn seine Frau / Freundin davon abbringen, sich im Gerichtssaal eine anzuzünden. Ehekrach light.
Kurz darauf wurde er mal wieder laut in Richtung Richter, seine Frau ebenfalls, aber worum es ging, das konnte man nicht verstehen. Dafür war der Lärm hinter mir bei den Reichsdeppenfans zu groß. Eine Zuschauerin, die schon die ganze Zeit penetrant nervte, erklärte von hinten was von NS-Gesetzen und dass die in Deutschland nicht erlaubt sind und sie ein Militärgericht anrufen müsse. Keine Ahnung, in was für einer Wahnwelt sie lebt.
So ging das eine ganze Weile weiter, während der Richter vorne mit ruhiger Stimme arbeitete. Dann zog sich das Gericht wieder zur Beratung zurück.
In der Pause das gewohnte Spiel.
Am Ende kam es tatsächlich nach weniger als zwei Stunden zu einer Urteilsverkündung. Die Berufung wird verworfen. Es gab für den Herrn Putzhammer 7 Monate Haft, ausgesetzt zu Bewährung. Revision ist zugelassen. Der Richter belehrte ihn noch, dass er dran denken soll, dass das nur Bewährung ist und erklärte ihm seine Rechte. Nicht, dass das Putzhammer interessiert hätte, aber auch für ihn gilt der Rechtsstaat. Unabhängig davon, ob er den anerkennt oder als nicht existent betrachtet.
Putzhammers Schlusswort, nach der Verhandlung, war: „Das einzige Gute an der BRD ist die üppige Ausstattung mit Laternenmasten“.
Anmerkung: Derzeit habe ich einen Widerspruch in den Urteilen, den ich noch nicht auflösen kann. (Bei dem Krach der Leute hinter mir konnte man nicht viel verstehen.) In der Verhandlung am 4.11.2014 bekam Putzhammer 120 Tagessätze. Jetzt, in der Berufungsverhandlung, wurde die Berufung verworfen und er bekam, bzw. es blieb bei 7 Monate, ausgesetzt zur Bewährung. Das passt so also nicht. Wie es zu den unterschiedlichen Strafen kommt, versuche ich noch zu klären.
Dank bei der Ausarbeitung dieses Berichtes geht auch an Peter-Franz Graf von Schwerin, mit dem ich gemeinsam dort war und der diesen Bericht auf Fehler abgeklopft hat.