Gespräche mit Pegida

Ich bin ja dafür, gar nicht persönlich mit Pegida zu reden. Was sie an Reden und auf den Schildern absondern sowie in den sozialen Netzwerken von sich geben, das reicht für mich schon, um sie nicht zu mögen. Aber manchmal kommt es halt doch anders, als man denkt.

Aber von vorne.

Am gestrigen Montag machte Pegida München (Ehemals Bagida) eine ihrer langweiligen „Informationsveranstaltungen“ in München in der Fußgängerzone zwischen Stachus und Marienplatz. Eingesperrt in Hamburger Gittern, standen sie da zwei bis drei Stunden und hofften, dass sich viele der Einkaufsbummler für sie interessieren. Das passierte dann allerdings weniger. Witzigerweise waren die meisten, die mit ihnen redeten, die Antifaschisten, die dagegen protestierten.

Bereits vor Beginn der Veranstaltung gab es Ärger, als ein Ordner einer jungen Frau von der antifaschistischen Seite erst ein Flugblatt geben wollte, und als diese danach griff, der Ordner sie erkannte und die Flugblätter wieder wegriss. Dabei gingen wohl auch ein paar der Blätter kaputt. Für den Ordner ein Grund, gleich zur Polizei zu rennen und diese nahm dann die junge Frau mit, um eine Anzeige wegen Sachbeschädigung aufzunehmen. Sie konnte kurz darauf wieder gehen, bekam Platzverweis und nun muss ein Staatsanwalt den Wert der auf so schreckliche Weise zerstörten Flugblätter ermitteln. Zum Glück hat die Bayrische Justiz nichts Anderes zu tun…

Zufälligerweise kam ich mit einen von Pegida ins Gespräch, der sich bis an das Gitter herantraute. Ich will ihm im Folgenden einfach mal Heinrich nennen, um seine Persönlichkeitsrechte zu wahren. Heinrich ist um die 30 Jahre alt und fast jedes Mal in der Vergangenheit bei Pegida München dabei gewesen, auch schon als Ordner. (Neuerdings ist Heinrich auf der Bagida-Seite bei Facebook gesperrt. Die Selbstzerfleischung unter denen schreitet voran.)

Ich fasse unser Gespräch hier kurz zusammen, eventuelle ironische Untertöne kommen selbstverständlich nur von mir. 😉

Heinrich hat Angst vor der Islamisierung. Man muss ja wissen, dass die Islamisierung in Deutschland auf dem unaufhaltbaren Vormarsch ist. Immerhin ist der Anteil der Muslime in Deutschland an der Gesamtbevölkerung in den letzten 70 Jahren von Nullkommairgendwas auf jetzt unglaubliche und sagenhafte 5% gestiegen! Da kann manch leichtem Geist schon Angst und Bange werden. Und irgendwann werden wir in Deutschland nur noch Muslime haben…

Im Übrigen findet Heinrich, dass Deutschland noch immer besetzt ist von den USA.

Henrich ist kein Nazi. Darauf hat er Wert gelegt. Hat mir auch das Transparent am Auto gezeigt, auf dem zu sehen ist, dass sie gegen Nazis sind. Auf meine Frage, warum sie dann immer wieder Nazis mitlaufen lassen, sogar welche, die sich öffentlich dazu bekennen, Nationalsozialisten zu sein (Und bei Facebook Hitler verehren und den Holocaust leugnen), meinte er, die müssen sie als opponierende Teilnehmer dulden.

Also meiner Meinung nach sieht eine deutliche Distanzierung ganz anders aus, aber das liegt vielleicht daran, dass die Geisteshaltung vieler Pegidateilnehmer eine andere ist, als Heinrich glaubt. Ich möchte mal die Antifa-Demo sehen, bei der opponierende Teilnehmer, also Nazis, geduldet werden…

Aber wie gesagt, Heinrich ist kein Nazi. Allerdings hat Heinrich vor einigen Jahren mal auf der Liste der NPD zu einer Wahl kandidiert. Wie das kam? Heinrich war damals Mitglied der Deutschen Partei und die wollten die NPD zur Wahl unterstützen. Und plötzlich war Heinrich auf der Liste der NPD. Sachen gibt es… Aber Heinrich findet die NPD gar nicht gut. Also jetzt weniger wegen der Nazis, denn das Problem ist, dass die NPD ja so viele Verfassungsschützer (V-Männer) in ihren Reihen hat, die wohl die Nazis spielen. Wenn die nicht wären, dann könnte man die NPD zu einer patriotischen Partei umbauen, und dann wäre sie auch irgendwie gut.

Zwischendurch versuchten sich andere Leute in unser Gespräch reinzuhängen. Sie fragten Heinrich, wer ich bin und da meinte er, ich bin ein bunter Faschist. Da wurde ich schon ein bisschen böse. Ich sagte ihm: „Heinrich, nun ist aber gut, wir haben uns bis jetzt freundlich unterhalten und ich habe Dich auch nicht beleidigt. Also mach Du das jetzt bitte auch nicht und nenne mich einen Faschisten. Sonst ist Schluss mit lustig und wir brauchen auch nicht weiter miteinander reden!“. Da hat Heinrich schon ein bisschen betroffen geschaut, man könnte denken, es tat ihm doch ein wenig leid.

Überhaupt, Heinrich ist ja, wie er betonte, kein Nazi. Heinrich ist Patriot. Dabei denkt er an Beethoven, Schiller, Goethe, Mozart… Mozart? War der nicht Österreicher? Aber Heinrich, ganz ausgefuchst, hat mich gefragt, welche Sprache Mozart gesprochen hat. Ja, Deutsch. Also ist er auch Deutscher oder zumindest Teil der deutschen Kultur. Meinen Hinweis auf Hitler, der ja auch nur das Beste für Deutschland wollte, wich er aus. Aber Schiller und so, ja, darauf kann man sich als deutscher Patriot berufen. Heinrich hat nämlich den Eindruck, dass die deutsche, und speziell die bayrische Kultur, nicht mehr gefördert werden. Darüber lernt man in den Schulen fast gar nichts mehr. (Ich habe ihm später empfohlen, wenn er deutsche und bayrische Kultur sehen will, dann soll er mal im Fernsehen die Dritten einschalten, da bekommt er genug davon.) Heinrich, als deutscher Patriot, möchte diese Kultur aber bewahren.

Leider hängte sich dann wieder eine „islamkritische“ Person derart in unser Gespräch rein, dass keine vernünftige Kommunikation mehr möglich war. Das letzte, was Heinrich mir noch erzählte, war, dass Deutsche beim Sozialamt weggeschickt werden und Asylanten alles bezahlt kriegen…

Und sonst so? Viel zu sehen gab es bei Pegida München nicht. Zwischendurch ist auch mal Michael Stürzenberger aufgetaucht, hat aber nur mit denen ein wenig geredet. Ein paar Nazis liefen auch mal draußen herum und eine Frau geisterte die ganze Zeit durch die Fußgängerzone mit einem Schild, auf dem stand „Das Grundgesetz ist illegitim. Prof. Dr. Carlo Schmidt“. Reichsdeppenblödsinn…

Ansonsten war das Ganze eher langweilig. Der übliche Verdächtige bei Pegida spritzte wieder mit Wasser und versuchte, Antifaschisten zu schlagen. Diesmal gab es aber nur eine Ermahnung durch die Polizei, mitgenommen wurde er nicht.

Den meisten Spaß hatten wohl die Antifaschisten. Da wurde Musik gemacht und sogar artistische Einlagen gab es. Vorbeilaufenden Passanten wurde auch gerne mal erklärt, worum es sich eigentlich bei Pegida handelt. Hilfsbereit wie immer.

#freepaul

Am 20. Juli 2015 wurden bei den Protesten gegen Pegida in München der Antifaschist Paul festgenommen. Paul war am Rande der Demonstration Wasser holen, es war ein warmer Tag, als er von der Polizei aufgehalten und durchsucht wurde. Dabei fand man in seinem Rucksack eine Kurzstielfahne, welche ihm als Verstoss gegen das Versammlunsgesetz ausgelegt wird. Seit dem sitzt Paul, der keinen festen Wohnsitz hat, in Untersuchungshaft.

Bereits am 24. Juli fand eine Kundgebung vor der JVA Stadelheimer Straße in München statt, mit anschließender Demonstration.

Über die Facebookseite „Freiheit für Paul“ wird über den Fortgang berichtet und zu Solidarität mit Paul aufgerufen. Diese Repressalien, die exemplarisch an Paul verübt werden, betreffen uns alle, die wir uns im antifaschistischen Kampf befinden. GETROFFEN HAT ES EINEN – GEMEINT SIND WIR ALLE!

Folgende Bilder sind Solidaritätsbekundungen aus verschiedenen Städten.
(Bilder von der Facebook-Seite)

Am 5. August fand im Amtsgericht München der Haftprüfungstermin statt. Zu diesem Anlass fand vor dem Gebäude in der Nymphenburger Straße eine Protestkundgebung statt. Das Entsetzen bei allen Teilnehmern war groß, als sie erfuhren, dass Paul bis zur Verhandlung Mitte September in Haft bleiben muss. Dort droht ihm dann bis zu einem Jahr Gefängnis. Wegen einer Fahne!

Sofort darauf bildete sich eine Spontankundgebung, die am Hauptbahnhof vorbei in Richtung Stachus lief, kurz davor aber von der völlig überforderten Polizei gestoppt wurde. Daraufhin löste sich die Demonstration auf, es kam zu einer Personalienfeststellungen eines Aktivisten, der im folgenden Gerangel aufgehalten wurde.

Am Samstag, den 8. August findet am 13. Uhr am Hauptbahnhof in München eine Solidemo für Paul statt.

Kurdische Demonstration in München

Am Donnerstag, den 30. Juli 2015, fand in München eine Demonstration von Kurdinnen und Kurden statt. Seit dem verheerenden Bombenanschlag in der südtürkischen Stadt Suruç, bei dem 32 vorwiegend junge Menschen starben, eskaliert die Situation zwischen der von Erdogan dominierten Regierung und den kurdischen Gebieten sowie deren Parteien. Inzwischen hat Erdogan den Friedensprozess zwischen Türken und Kurden aufgekündigt. Die türkische Luftwaffe bombardiert Stellungen der IS, und dabei auch Stellungen der Kurden, die als einzige ernstzunehmende Macht in Nordsyrien gegen den IS kämpft.

Die Kurdinnen und Kurden in München nahmen das gemeinsam mit einigen deutschen Linken zum Anlass für eine Demonstration gegen diese Politik. Mehr als 200 Menschen versammelten sich auf dem Stachus (Karlsplatz). Dort wurde eine Schweigeminute für die getöteten Kämpfer abgehalten. Anschließend gab es einige Reden. Am Rande versuchte ein vermutlich türkischstämmiger Jugendlicher mit dem Wolfsgruß der faschistoiden Grauen Wölfe zu provozieren.

Die folgende Demonstration zog am Bahnhof vorbei durch das Viertel rund um die Schwanthaler Straße. Auf dem Frontbanner stand: „Edi Bese“, was übersetzt „Es reicht“ heißt. Es wurden Parolen wie „NATO finanziert – Erdogan bombardiert“ oder „Kurdistan fasisme mezar olacak“ („Kurdistan wird das Grab des Faschismus“) gerufen. Der Demonstrationszug wurde von einem starken Polizeiaufgebot begleitet.

Auf dem Stachus fand noch die Abschlusskundgebung statt. Direkt danach wurde ein teilnehmender Sympathisant aus Unterstüzerkreisen aus unbekannten Gründen von der Polizei kurzzeitig festgenommen, nach einer Durchsuchung und Personalienaufnahme konnte er aber wieder gehen.

Dank an lacause.de für ein Foto und die Übersetzungen.

Pro-Asyl- und Pegida-Kundgebung in München

Montags in München, wie immer viel los. Auf dem Max-Joseph-Platz fand die Veranstaltung „Platz da! Mia san ned nur mia! Keine Abschiebe-Lager! Seehofer, Scheuer, Söder und Herrmann – hört auf zu zündeln!“ statt, eingeladen hatte Bellevue di Monaco. Es fanden sich mehrere hundert Menschen ein um bei Musik und interessanten Redebeiträgen für eine Asylpolitik zu demonstrieren, die diesen Namen verdient.

Bellevue di Monaco schrieb in den Aufruf: „Angesichts der scharfen Töne der bayerischen Staatsregierung gegen geflüchtete Menschen, ihrer skandalösen Pläne, Abschiebe-Lager an den bayerischen Grenzen zu errichten, und der vermehrten Brandanschläge auf Asylunterkünfte ist es allerhöchste Zeit, ein deutliches Zeichen zu setzen: Hier sind Flüchtlinge willkommen! Wir fordern alle auf, die mit der bayerischen Asylpolitik nicht einverstanden sind, ihren Unmut lautstark auf die Straße zu tragen!“

Eine Stunde später begann am Isartor die leidliche montägliche Pegida-Versammlung. Zu Pegida kamen ca. 100 Menschen, um ihren Hass, Rassismus und ihre Vorurteile wieder zu verbreiten, dagegen protestierten ungefähr genauso viele weltoffene Menschen.

Demoanmelderin Birgit W. versteigerte sich zu der irrsinnigen Behauptung: „Man hört es ja in letzter Zeit immer öfter, dass die Nazis eigentlich links waren.“ Ja klar… Ihr Highlight war allerding: „Wir sind gekommen, um hier zu bleiben. Wir gehen jetzt los.“ Da war selbst bei der anwesenden Polizei die Belustigung groß.

Ansonsten gab es wieder mal die üblichen versuchten Behinderungen der Presse. Ordner Stefan W. kam zu den Fotografen und verlangte von ihnen, dass sie nicht mehr fotografieren, weil sich die Teilnehmer davon provoziert fühlen. Ironischerweise fotografierten gleichzeitig die Teilnehmer fleißig die Presse und Gegendemonstranten. Auch unterwegs wurde wieder mehrfach versucht, Fahnen vor die Objektive zu halten. Immerhin griff diesmal die anwesende Polizei ein.

Die Demonstration von Pegida wurde von lautem Protest begleitet. Zum Ende wurden leider noch zwei Gegendemonstranten unter unbekannten Gründen festgenommen, und ca. 1-2 Stunden später wieder aus der Polizeiwache Ettstraße entlassen.

Wenn die NPD in Freising…

Freising war schon immer ein schweres Pflaster für Nazis. Trotzdem wollte es am Samstag, dem 26. Juli 2015, die NPD mal wieder wissen. Sie meldete eine Kundgebung unter dem Motto „Deutschland raus aus der NATO und Europa“ an.

Die Naziveranstaltung sollte 11:30 beginnen, mit deutscher Pünktlichkeit ging es eine knappe Stunde später los. Erst mal versammelte sich die kleine Horde am Bahnhof und wurde dann über ein paar enge Gassen zum Kriegerdenkmal geführt. Dort erwarteten sie schon ca. 100 Gegendemonstranten. Im Gegensatz zu früheren Veranstaltungen wurde das ganze einige Meter Richtung Westen verlegt und die Gegenendemonstranten mussten hinter Hamburger Gittern stehen. Und so standen sich Nazis und Antifaschisten mit einem Abstand von 20 Metern gegenüber.

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Unter den Nazis befanden sich bekannte Gestalten. Peter Meidl, Pegida-Poser und Hitlerverehrer, der auch schon mal bei Facebook den Holocaust leugnet. Björn-Christopher Balbin, NPD-Vorsitzender vom Kreis Freising. Manfred Waldukat, stellvertretender Landesvorsitzender, der u.a. die Facebookseite für die NPD beschreibt. Außerdem Vince Herczeg und ein paar weitere bekannte Gesichter.

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Die Reden waren der übliche Schmarrn und die typische nationalistische Hetze, teilweise beschäftigten sie sich aber nur mit den Gegendemonstranten. „Wollt ihr denn Bomben?“ „Ihr seid doch auch Deutsche.“

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Natürlich wollen die Gegendemonstranten keine Bomben, aber ganz sicher auch nicht die nationalistische Scheiße der NPD. Überhaupt waren die Gegendemonstranten sehr laut.

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Negativ aufgefallen ist das Team von moosburg.TV. Obwohl es mit der Versammlungsleitung Konsens war, das keine NATO-Fahnen gezeigt werden, mussten diese Selbstdarsteller für ihr Video mitten in den Gegendemonstranten und noch mal am Rande mit einer NATO- und später einer USA-Fahne posen. Und wenn sie nicht posten, filmten sie u.a. die ganzen Antifaschisten mehrfach ab.

Gegen 14 Uhr war der Nazispuk endlich vorbei und unter dem Beifall der verbliebenen Gegendemonstranten verschwanden die NPD und ihr Anhang ganz schnell aus der Stadt.

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Fazit: Die Nazis haben es versucht. Und obwohl sich Balbin bei den „lieben Freisinger Büergern“ bedankte, interessierte sich faktisch niemand für sie. Um so mehr Zulauf und Beifall hatte der Gegenprotest. Freising bleibt bunt!

Es gibt keinen Antisemitismus, weil es keine Juden gibt.

Ist natürlich nicht so.

Ulrich Sahm schreibt auf seiner Facebookseite:

„Schrecklich. Da hat ein palästinensischer Botschafter etwas politisch-inkorrektes gesagt und wurde sofort nach Ramallah einberufen. In Chile hatte er aus den Protokollen der Weisen von Zion zitiert, und behauptet, dass Israel entstanden sei, damit die Juden die Welt erobern können. In Ramallah wurde dem Botschafter klar gemacht, dass die PA die Existenz des jüdischen Volkes nicht anerkenne und dass deshalb diese Behauptung falsch sei. Abbas erklärte, dass diese Anmerkungen der offiziellen Politik der PA widersprächen.
Antisemitische Sprüche sind also verboten, weil es die Juden offiziell als Volk gar nicht gibt. Tolles neues Argument. Sollten sich die Antisemiten mal merken.“

MLPD Dresden – Offener Brief an den DGB

Es ist eine alljährliche Diskussion in Dresden, die Teilnahme der MLPD an der Kundgebung des DGB zum ersten Mai. Bisher immer auf den Schlossplatz, 2015 dann vor dem Gewerkschaftshaus, also aus der unmittelbaren Innenstadt heraus.

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein sehr gespaltenes Verhältnis zu der MLPD habe. Was aber gar nicht geht, die Teilnahme dieser Partei an der Kundgebung zum 1. Mai mit der Polizei zu verhindern. Das ist vom DGB höchst unsolidarisch.

Offener Brief an den DGB und seine Einzelgewerkschaften in der Region Dresden/Oberelbe zu der Ausgrenzung der MLPD am 1. Mai 2015

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der diesjährige 1. Mai war bundesweit ein erfolgreicher Tag, der die gewerkschaftlichen, sozialen und politischen Positionen der Arbeiterbewegung und vieler fortschrittlicher Menschen lebendig zum Ausdruck gebracht hat. Es wurde deutlich, dass viele Menschen sich Gedanken machen über einen grundsätzlichen Ausweg aus kapitalistischen Ausbeutung und Unterdrückung. Er brachte zum Ausdruck, dass drängende Fragen prinzipiell geklärt werden müssen.

Wir wenden uns an Euch, weil der Ungeist der Ausgrenzung gegenüber revolutionären Kräften in der gewerkschaftlichen Bewegung in Dresden endlich überwunden werden muss!

Die Verlagerung der Mai-Kundgebung vom Schlossplatz auf den Schützenplatz vor das Volkshaus wurde zum Anlass genommen, uns – der MLPD – den seit vielen Jahren durchgeführten Stand zu verbieten. Veranlasst durch André Schnabel, DGB-Regionalvorsitzender, erzwang die Polizei die Räumung eines Informationsstandes der MLPD gegen den Protest vieler umstehender Kollegen. Für die uns entgegengebrachte Unterstützung – auch von Kollegen, die uns politisch nicht nahe stehen – bedanken wir uns. Begleitet wurde dieses Vorgehen durch aggressives und bedrohliches Auftreten einiger hauptamtlicher Sekretäre der IG Metall.

Dabei gehört die MLPD schon seit Jahrzehnten zu den verlässlichen und aktiven Trägern des 1. Mai. Der 1. Mai hat seine Wurzeln in der sozialistischen Arbeiterbewegung und ist inzwischen der Tag der gesamten Arbeiter-, Jugend- und Frauenbewegung. Er darf nicht von einzelnen gewerkschaftlichen Funktionären instrumentalisiert werden. Karl Marx schrieb bereits 1866: „Die einzige gesellschaftliche Macht der Arbeiter ist ihre Zahl. Diese Macht der Zahl wird jedoch durch ihre Uneinigkeit gebrochen.“ Als grundsätzliche Lehre aus dem Faschismus wurde in Deutschland nach dem II. Weltkrieg der Weg der Einheitsgewerkschaft eingeschlagen, in der christliche, sozialdemokratische, kommunistische und parteilose Arbeiter gleichermaßen ihren Platz haben. Für uns ist keine Frage: jede Partei, die innerhalb der Arbeiterbewegung tätig ist, kann ihre Ziele auf gewerkschaftlichen Kundgebungen darstellen und für sich werben.

Die Polizei zu rufen und offenbar unliebsame Positionen und Personen administrativ auszuschliessen ist ein nie dagewesener Tabubruch.

Die antikommunistische Ausgrenzung ist ein Relikt des kalten Krieges und hat in der Gewerkschaftsbewegung schon genug Schaden angerichtet. In seinem Antrag vom 16. März 2012 hatte der GEW Hauptvorstand stellvertretend für die große Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder festgestellt: „Radikalenerlass und Unvereinbarkeitsbeschlüsse waren falsch… Die GEW bedauert die sogenannten Unvereinbarkeitsbeschlüsse und bittet die davon Betroffenen um Entschuldigung.“

Wer hat in Dresden ein Interesse daran 3 Jahre nach dieser wichtigen Selbstkritik in der Gewerkschaftsbewegung, das Rad zurück zu drehen? Es sind Wenige, die allerdings über einige publizistische und organisatorische Mittel verfügen um der Bündnisarbeit einen antikommunistischen Mainstream aufzuzwingen. Sie missbrauchen diese Mittel und ihre Position, die die gewerkschaftliche Basis ihnen zur Verfügung stellt für ihre Ausgrenzungspolitik.

Ihre Begründung dafür ist, dass sie sich uns gegenüber nicht rechtfertigen müssen und mit uns darüber nicht diskutieren. So einfach dürfen wir es ihnen nicht machen.

Es ist im Interesse aller Gewerkschaften, aller fortschrittlichen Menschen und der Bündnisarbeit zur Organisierung eines wirksamen Protests und Widerstands in Dresden, dass eine solidarische und weltanschaulich offene Kultur verwirklicht wird.

Lasst uns darüber beraten, wie diese Kultur gemeinsam durchgesetzt werden kann. Ein erster – auch notwendiger Schritt – wäre sicherlich die Einladung eines Vertreters der MLPD zur gemeinsamen Auswertung des 1. Mai, die der DGB und Vertreter der Einzelgewerkschaften am 11. Juni vornimmt. Wir sind dazu bereit!

Mit solidarischen Grüßen

Kreis Dresden der MLPD
i.A. Bernd Blickle

G7

Ihr wisst es ja, kommendes Wochenende ist der G7-Gipfel im Elmau. 7 Staatschef entscheiden, was gut für uns ist.

Ja, haha!

Kostenpunkt: Über 300 Millionen Euro. Bereits im Vorfeld werden Demonstranten kriminalisiert. Aber wir lassen uns nicht davon einschüchtern.

Hier im Blog wird es von mir Berichte mit Fotos von der Demonstration am Donnerstag in München geben sowie Berichte ab Freitag aus Garmisch und Mittenwald. Ich werde also selber nicht demonstrieren sondern wieder als freischaffender Journalist vor Ort sein.

Programm der G7- Proteste im Überblick
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Mi. 3. / Do. 4. Juni
Internationaler Gipfel der Alternativen
Freiheizhalle – München, Rainer-Werner-Fassbinder-Platz 1
Genaue Infos: www.alternativgipfel.org
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Donnerstag, 4. Juni
G7-Großdemonstration in München
TTIP stoppen! KLIMA retten! ARMUT bekämpfen!
14 Uhr Auftaktkundgebung – Stachus
15:30 Demozug durch die Münchener Innenstadt
17 Uhr Abschlusskundgebung am Odeonsplatz
u.a. mit Jean Ziegler www.G7-DEMO.de
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Protest-Tage rund um Elmau
Angemeldete Kundgebungen und Demonstrationen
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Donnerstag, 4. bis Sonntag, 7. Juni
10 bis 20 Uhr Dauerkundgebungen
am Bahnhofsplatz Garmisch-Partenkirchen, am Bahnhofsplatz Klais
und am Bahnhofsplatz Mittenwald
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Freitag, 5. Juni
10 bis 20 Uhr Kundgebung, Bahnhof Garmisch-Partenkirchen:
Tag der Internationalen Solidarität
mit Redebeiträgen von Gästen des Gipfels der Alternativen und Aktivist*innen
aus Lateinamerika,Performance, Ausstellung zu Herrschaft der G7 und zur
Situation der Flüchtenden.
13.00 Antimilitaristische Kundgebung vor dem Marshall Center, anschl. 14.00 Demo
20.00 Aktionsplenum im Camp: letzte Infos zu Aktionen und Blockaden
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Samstag, 6. Juni: Großdemonstration in Garmisch-Partenkirchen

12 – 14 Uhr Auftakt – St.Martin Str./Bahnhofsstraße
Begrüßung der eintraffenden Demonstrations-Teilnehmer*innen,
Aktuelle Informationen + Musik
14 – 14.30 Uhr Eröffnungs-Kundgebung
mit Rede-Beiträgen aus dem Bündnis zu den Themen Antimilitarismus, Antikapitalismus,
Migration und Flucht, sowie ein Statement des Bündnisses Stop G7 Elmau,
sowie Aktivist*innen der transnationalen Mobilisierungstour
(www.oeku-buero.de/terminleser/events/mobitour.html)
14.30 Demonstration durch Garmisch-Partenkirchen
17.30 Abschlusskundgebung Bahnhofsplatz
Abschlussrede: Jutta Ditfurth, Polit-Kabarett, Kurzbeiträge von internationalen Gästen,
Musikbeiträge und der Band Gasparazzo aus Italien (http://www.gasparazzo.it/)
22.00 Ende der Abschlusskundgebung
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Sonntag 7. Juni: Sternmarsch nach Elmau

Route 1 – Fahrrad und Autokorso von Garmisch nach Elmau
Fahrradkorso
Beginn: 7 Uhr Bahnhofsplatz Garmisch-Partenkirchen – entlang der B 2 nach
Klais – dann Demonstration über Mautstraße nach Elmau.
Autokorso
Beginn: 7 Uhr Bahnhofsplatz Garmisch-Partenkirchen – entlang der B 2 über
Klais nach Mittenwald – dann Demonstration auf der Forststraße nach Elmau.
Route 2 von Garmisch nach Elmau
Beginn: 7 Uhr Bahnhofsplatz Garmisch-Partenkirchen – via Mittenwalder Str. –
dann Richtung Olympia Skistadion über die Wildenau – Vordergraseck –
Hintergraseck – nach Elmau.
Route 3 von Garmisch nach Elmau
Beginn: 7 Uhr Bahnhofsplatz Garmisch-Partenkirchen –
via Mittenwalder Str. – Richtung Kainzenbad – über Berggasthof Wamberg –
nach Elmau.
Route 4 von Klais nach Elmau
Beginn: 8 Uhr am Bahnhof Klais – auf der Mautstraße nach Elmau.
Route 5 von Mittenwald nach Elmau
Beginn: 8 Uhr am Bahnhof Mittenwald – über die Ferchenseestraße am
Lautersee vorbei – und weiter auf der Zufahrtsstraße nach Elmau
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Montag, 8. Juni: Abschluss-Demonstration
Auftakt-Kundgebung: 10 Uhr auf dem Bahnhofsplatz Garmisch-Partenkirchen
anschließend Demonstration zum US-Marshall-Center und wieder zurück.
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Anfahrt von München nach Garmisch-Partenkirchen
Die Bahn hat angekündigt, wegen der Demonstrationen das Sitzplatzangebot der
im Stundentakt fahrenden Züge nach Garmisch aufzustocken.
Die Zugverbindung von Garmisch über Klais nach Mittenwald wird allerdings eingestellt.
Es gibt günstige Werdenfels-Tagestickets für bis zu 5 Personen am Automaten.
Am Samstag morgen wird es dabei sicher eng, d.h. wer sich vorher als Gruppe
verabreden und Ticket beschaffen kann, sollte dies tun.
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Aktionsbündnis STOP G7 – Elmau http://www.stop-g7-elmau.info/
INFOTELEFON ab Montag 1. Juni: > 0152 – 083 218 07